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Seven lehnte in ihrem Alkoven und versuchte, alles zu verarbeiten, was in den letzten Tagen geschehen war. Unimatrix Zero war zerstört, und sie würde Axum wohl nie wiedersehen, und selbst wenn es geschehen sollte, die Wahrscheinlichkeit dessen war praktisch gleich null. Der Gedanke löste eine sehr beunruhigende Leere in Seven aus, die sie nicht zu füllen vermochte.
In ihrer Frustration ging Seven in die um diese Zeit leere Offiziersmesse und rang dem Replikator ein Erdbeertörtchen ab, wie ihre Tante Irene sie früher gemacht hatte. Das Gebäck schmeckte heute seltsam schal und brachte nicht den gewünschten Trost. Enttäuscht stellte sie den halb vollen Teller zurück in den Replikator und ging zurück zu der breiten Fensterfront. In der Dunkelheit des weiten Raums flogen die Sterne nur so vorbei, flackerten kurz auf und verschwanden dann wieder aus ihrem Gesichtsfeld.
Hinter ihr öffnete sich eine der Türen mit einem leisen Zischen. "Seven? Alles in Ordnung?" Captain Janeway seufzte hörbar.
"Ich konnte nicht regenerieren." Seven stellte den offensichtlichsten Fakt in den Raum, in der Hoffnung, dass Janeway sie dann in Ruhe lassen würde. Sie konnte jetzt unmöglich noch ein weiteres emotionales Ungleichgewicht ausgleichen. Der Verlust von Axum wog schwer, und es war in ihrem Innern kein Platz für das Chaos, welches Captain Janeway in letzter Zeit in ihr auslöste.
"Manchmal kommt so etwas vor. Soll B'Elanna sich mal den Alkoven ansehen, ob alles in Ordnung ist?"
"Das ist nicht nötig, die Maschine arbeitet einwandfrei." Seven wandte den Kopf ab und sah wieder hinaus zu den Sternen.
"Dir geht etwas durch den Kopf, nicht wahr?" Captain Janeways Hand legte sich auf ihre Schulter. Die Berührung brannte wie Feuer durch den Stoff auf ihrer Haut.
"Es geht um Axum, hm?"
Seven spürte, wie die Worte ihr die Kehle zuschnürten. Janeway sollte aufhören, dieser Schmerz war inakzeptabel.
"Seven, es tut weh, einen geliebten Menschen zu verlieren, aber es wird besser werden. Versprochen."
Klang da ein Hauch von Schmerz und Wehmut mit? Seven erinnerte sich vage, dass etwas über einen Verlobten in Captain Janeways Akte gestanden hatte. Ob die Gewissheit, dass sie ihn mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr wiedersehen würde, sie ähnlich quälte wie Seven selbst? Schnell verdrängte Seven den Gedanken wieder.
"Schmerz ist irrelevant," sagte sie mehr zu sich selbst als zu Janeway.
"Er ist nicht irrelevant," widersprach Janeway. "Schmerz zeigt uns, dass etwas nicht in Ordnung ist und wo wir ansetzen müssen, um es wieder in Ordnung zu bringen."
"Das erscheint unlogisch, wenn die Ursache nicht zu beheben ist." Seven schlang die Arme um sich, sie fröstelte, da die Offiziersmesse nachts heruntergekühlt wurde.
Hinter ihr begann Janeway leise vor sich hin zu summen.
Seven blinzelte, sichtlich irritiert, da ihr absolut schleierhaft war, was der Sinn des Ganzen sein sollte. Doch die sanfte Vibration der Klänge zeigte bald Wirkung, und Seven spürte, wie ihr Körper sich unbewusst entspannte. Allerdings war ihr immer noch kalt.
Hinter ihr trat Janeway näher heran, Seven spürte die zusätzliche Wärme in ihrem Rücken und die veränderte Intensität des Summens. Schlanke, kräftige Arme legten sich um ihre Schultern, und Seven wand sich los. In ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt zu sein, war für sie der blanke Horror.
"Seven, alles okay?" Janeway klang....besorgt.
Seven schwieg und rieb sich über die kalten Arme. Es wurde immer kälter in der Offiziersmesse. Sie wusste, dass das keinen Sinn ergab, die Nachttemperatur war absolut konstant. Dennoch fröstelte sie immer mehr.
"Komm her, ich seh doch, dass du frierst..."
Seven sträubte sich noch einen Moment, dann wandte sie sich Janeway zu und ließ zu, dass sie sie in den Arm nahm. Vielleicht war diese Form der Einschränkung ihrer Bewegungsfreiheit doch nicht ganz so furchtbar. Immerhin wurde ihr dadurch wieder warm.
Ganz leise begann Janeway wieder zu summen. Einige Augenblicke später wurden aus den Vibrationen Worte.
"Gebrochenes Herz, heute Nacht sollst du nicht frier'n... Gebrochenes Herz, lass dich heut' Nacht entführ'n..."
Die Worte ergaben nur sehr langsam einen Sinn, Seven musste erst den Zusammenhang zwischen dem Lied und ihrer jetzigen Situation herstellen. Janeway dachte, Axum zu verlieren, habe Seven das Herz gebrochen. Auch wenn diese Annahme reichlich seltsam war, da Seven sich bis zu ihrer Rückkehr nach Unimatrix Zero nicht einmal an die Beziehung zu Axum erinnert hatte, was eine erneute emotionale Bindung stark erschwert hatte.
"Ich geb' dir die Wärme, die dir jetzt fehlt, nehm' dir den Schmerz, der dich heut' Nacht so quält..."
In Janeways Stimme klang ein leiser Hauch von Wehmut und Schmerz mit. Seven sah sich in ihrer Vermutung bestätigt, dass sie ihren Verlobten vermisste. Noch wusste sie nicht, wie falsch diese Annahme war.
Seven lehnte sich sachte gegen den zierlichen Körper, suchte die Nähe, die ein wenig Linderung und Wärme versprach.
Janeway verfiel wieder in ihr melodisches Summen, und Seven spürte, wie sich die Leere in ihrem Innern erst erwärmte und dann wieder füllte. Mit einem ähnlichen Gefühl, dass Seven sonst mit Axum assoziiert hatte. Sie entschied, das nicht weiter zu hinterfragen. Janeway war eine Wärmequelle und löste Wohlbefinden aus. Das reichte Seven für den Moment. Es ging ihr dadurch besser.
Nicht einmal die zarten Hände, die sacht über Sevens Arme und Rücken strichen, konnten das wohlige Gefühl in Seven stören. Ganz im Gegenteil. Die Berührung war angenehm, und ein Kribbeln folgte den schlanken Fingern, die über Sevens Körper tanzten. Ihr Atem ging schneller, und ihr Herz schlug unruhiger als gewöhnlich.
Undeutlich drang Janeways Stimme an ihr Ohr. "-Seven?"
Sie blinzelte und blickte in die geweiteten, stahlgrauen Augen. "Captain?"
Das nächste, was Seven wahrnahm, waren warme Lippen, die sich gegen ihre eigenen schmiegten. Automatisch versteifte sich ihr Körper, und Janeway ließ sie los. Sofort wich die Wärme aus Seven und sie fror wieder.
"Seven... Entschuldige, ich hätte das nicht tun dürfen..." Janeway konnte ihr nicht in die Augen sehen.
"Weil Sie eine Frau in einer monogamen, gefestigten Beziehung sind? Meine Studien der verfügbaren Daten haben ergeben, dass Menschen allgemein einen Hang zu außerehelichen Aktivitäten haben, insofern war Ihre Handlung durchaus im Normalbereich."
Janeway sah Seven absolut verdutzt an. "Nein, weil ich dein Captain bin."
"Ich bin nicht Teil von Starfleet. Insofern sind Sie auch nicht meine Vorgesetzte," hielt Seven dagegen. "Moralisch gesehen wäre der einzige Vorwurf, den man gegen Sie vorbringen könnte, der des Ehebruchs."
"Nicht einmal das, Seven. Mein Verlobter – Ex-Verlobter – Mark hat eine andere geheiratet, vor etwas über zwei Jahren."
"Oh."
"Es war mir klar, dass ich ihn wohl kaum wiedersehen würde – und dass es Zeit ist, sich damit abzufinden." Janeway sah aus, als würde sie gleich weinen.
Seven folgte einer Eingebung und schloss Janeway in ihre Arme. Leise murmelte sie die Worte des Liedes, das Janeway eben für sie gesungen hatte.
"Gebrochenes Herz... Heute Nacht sollst du nicht frier'n... Gebrochenes Herz, lass dich heut' Nacht entführ'n... Ich geb' dir die Wärme, die dir jetzt fehlt, nehm dir den Schmerz, der dich heut' Nacht so quält..."
Janeway schmolz wie eine Wachspuppe in Sevens Armen, und sie schlang die Arme um Seven, als wäre sie der einzige Anker, der sie in den Weiten des Raums in Position halten konnte.
Seven strich zaghaft mit einer Hand über Janeways Rücken und versuchte, den Tremor des Schluchzens zu besänftigen. Es half nur mäßig, doch mit der Zeit entspannte Janeway sich und lehnte sich an Seven.
"Danke, Seven..." Widerstrebend löste Janeway sich aus der Umarmung.
Seven ließ jedoch nicht los, beugte sich herunter und küsste Janeway.
Die zuckte kurz zusammen, ließ sich dann aber darauf ein und erwiderte den Kuss.
Seufzend unterbrach Janeway den Kuss nach ein paar Augenblicken, ihr Atem ging schwer und ihre Wangen waren gerötet. Doch sie lächelte, und das war für Seven genug.
"Stets zu Diensten, Captain."
