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Einen Termin bei Nepomuk zu bekommen ist nicht sonderlich schwierig, nicht für Aurelia und schon gar nicht jetzt wo er der festen Überzeugung ist in ihrer Schuld zu stehen. Aurelia war direkt nach ihrem Frühstuck ins Fiaker von Frieda gestiegen und hatte sich auf dem Weg zu Nepomuk gut mit ihr unterhalten. Sie waren sich näher gekommen seit dem ganzen Debakel. Aurelia war bis jetzt noch nie bei Nepomuk in der Kanzlei gewesen, sie hatten sich bis jetzt nur außerhalb getroffen. Aber heute war ihr Besuch eine Überraschung und sie konnte nur hoffen das er tatsächlich in seinem Büro saß. Sie bezahlte Frieda und stieg aus dem Wagen, bat sie nicht zu warten, sie hatte nicht vor so schnell wieder nach Hause zu fahren. Nepomuks Kanzlei war nicht die einzige in dem Haus aber seines war gleich die erste Tür im Hochparterre, so erklärte es ihr die ältere Dame am Empfang. Die sie außerdem versuchte auszufragen warum sie denn ganz alleine zu ihm wollte. Aurelia wich den Fragen gekonnt aus und stieg die Stufen ins Hochparterre. Sie öffnete die Türe mit Aufschrift „Nepomuk Hofmeister“ und geöffnet. Der Vorraum war hell gestaltet obwohl es kein Fenster gab. Durch eine Tür kam ein junger Herr, vermutlich der Sekretär. „Guten Tag Fräulein, wie kann ich ihnen helfen?“ Gleichzeitig nahm er ihr den Mantel ab. „Ich würde gerne mit Nepomuk Hofmeister sprechen.“ „Haben Sie denn einen Termin, Fräulein…?“ Bevor Aurelia antworten konnte kam auch schon Nepomuk durch die Tür. „Aurelia, was machen Sie denn hier?“ „Ich wolle mit Ihnen reden, wenn es Ihnen recht ist?“ „Natürlich kommen Sie herein!“ Er stockte für einen Moment. „Oder möchten Sie lieber in ein Kaffeehaus gehen?“ „Nein, ich bleibe gerne.“ Der Sekretär runzelte etwas verwirrt die Stirn, ging dann aber zurück an seinen Schreibtisch, während Nepomuk und Aurelia zusammen in das eigentliche Büro gingen. Nepomuk schloss die Tür hinter sich und deutete Aurelia zu einem Sitz. „Möchten Sie etwas zu trinken? Oder wollen Sie gleich über Ihren eigentlichen Grund dieses Besuchs reden?“ „Wie Sie wahrscheinlich bereits gehört haben ist der Mordfall endlich gelöst worden, nicht zuletzt, weil wir beide mitgeholfen haben und jetzt habe ich wieder Zeit mich anderen, wie soll ich sagen, Aspekten meines Lebens zu widmen.“ „Ja, natürlich habe ich das in der Zeitung gelesen. Ich sollte Ihnen wohl gratulieren.“ „Also wenn Sie jemanden gratulieren sollten dann wohl dem Herrn Inspektor.“ Nepomuk sackte merklich zusammen, auch wenn er versuchte es zu überspielen. Aurelia wurde erst jetzt bewusst wie ernst er es wohl gemeint hatte als er den Inspektor als „die Liebe seines Lebens“ bezeichnete. Gut damit lässt sich arbeiten. „Ich bin nicht hier um Wunden aufzureißen. Aber ich muss zugeben, dass ich viel an unsere Konversation denken musste.“ Sie wartete auf eine Antwort, doch Nepomuk schwieg, er wusste nicht worauf sie hinaus war. Sie wusste es auch nicht so wirklich, vielleicht hätte sie sich doch Gedanken über dieses Gespräch machen sollen. „Und zusätzlich habe ich mir, wie gesagt, über einige Aspekte meines Lebens Gedanken gemacht. Jetzt wo mein Vater wieder ausgeht, möchte er das auch ich ausgehe, mich verlobe, heirate.“ „Ich weiß nicht genau worauf Sie hinauswollen.“ Er wusste es ganz genau da war sich Aurelia sicher, aber wenn er will, dass sie es ihm buchstabiert dann würde sie es ihm buchstabieren. „Sie wollen nicht heiraten, weil Sie an keiner Frau Interesse finden und ich möchte nicht irgendeinen Aristokraten heiraten, der von mir erwartet zuhause zu bleiben und nur zu sozialen Anlässen das Haus zu verlassen. Nein, ich denke wir würden ein gutes Paar abgeben. Immerhin mögen wir uns, wenn auch nur ganz freundschaftlich.“ Nepomuk sah sie belustigt an. „Sie meinen das Ernst?“ „Ja.“ „Nun gut, wenn Sie meinen. Ich werde mit Ihrem Vater darüber sprechen.“ „Vielen Dank Ihnen, Nepomuk. Ich denke wirklich, dass das eine gute Idee für uns beide ist! Aber ich lasse Sie jetzt lieber wieder arbeiten. Ich hoffe ich sehe Sie bald wieder bei meinem Vater.“ Die beiden Standen auf. Nepomuk begleitete sie zur Tür reichte Ihr den Mantel und öffnete die Tür. „Ach, eines noch. Wenn Sie zu meinem Vater wollen, sollten Sie Nachricht schicken. Er ist jetzt nicht mehr so oft zu Hause.“ Aurelia verabschiedete sich und machte sich auf den Weg zu der Baustelle der Museen. Es war zwar noch früh aber bis sie dort war, wäre es bestimmt schon Zeit für eine Debreziner.
