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Wolfsherz Im Bann der

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Kapitel 1Es war eine Vollmondnacht, als Hermine Granger ins Ministerium kam. An diesen Tagen war immer besonders viel zutun.Als Abteilungsleiterin Fachrichtung Werwolf der Abteilung zur Führung und Aufsicht magischer Geschöpfe hatte sie jeden Monat um diese Zeit Nachtschicht.Ihre Umhängetasche fest umklammert, lief sie zu ihrem Büro und wurde von mehreren Kollegen und Kolleginnen begrüßt. Sie stellte ihre Tasche neben ihrem Schreibtisch ab und schaute auf den bereits großen Haufen Papier, der sich stapelte.»Hallo Hermine, es gab einen Vorfall in der Winkelgasse. Ein großer Wolf ist wild geworden und hat Personen angegriffen. Er ist in Gewahrsam genommen worden. Die Auroren sagen, er sei kein Animagi aber auch kein typischer Werwolf. Sie wollen jemanden aus unserer Abteilung dazuholen, um mehr Expertise zu bekommen. Willst du das machen?«, fragte Lisa Turpin eine ehemalige Jahrgangsmitschülerin in Ravenclaw und nun eine von Hermines Angestellten.Stirnrunzeln blätterte Hermine über den Bericht, den Lisa ihr gegeben hatte. Ein weißer Wolf, deutlich größer als der normale Durchschnittswolf und aggressiv. Das an einem Vollmond ...»Ich mach das. Wo befindet sich der Wolf nun? Wurde schon geschaut, ob es sich um einen Animagi handelt?«, fragte Hermine, während sie ihre Tasche auspackte und ihre üblichen Arbeitsmaterialien in ihren Umhang steckte.Außeneinsätze waren eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen.»Es ist unten bei den Auroren der Strafverfolung. Soweit ich weiß, ist es kein Animagi.«»Alles klar, falls etwas passiert, melde dich bitte bei mir«, wies Hermine ihre Mitarbeiterin an und machte sich auf in den Keller des Ministeriums, wo sich die Abteilung für magische Strafverfolgung befand. Als sie durch die Sicherheitstür durchtrat, kam ihr sofort Harry entgegen. Dieser wurde vor kurzem zum stellvertretenden Abteilungsleiter der Strafverfolgung ernannt.»Hermine! Komm schnell!« Harry zog sie sofort mit sich in einen der Hochsicherheitsräume.»Wir mussten ihn mit mehreren Zaubern ruhig stellen, aber er kämpft immer noch dagegen an. Er ist kein Animagi, den Rückverwandlungsspruch haben wir schon versucht. Ein normaler Werwolf ist er auch nicht. Aber er scheint magisch zu sein«, erklärte Harry, während er eine Sicherheitstür öffnete und Hermine hindurch ließ.Hermine blinzelte in die Zelle. Zuerst sah sie nur weißes Fell. Sehr viel Fell.Dann blinzten sie zwei graublaue Augen an und die Ohren der Kreatur spitzten sich. Er fing an zu knurren und ging in eine abwehrende Haltung. Hermine hatte schon oft mit aggressiven Wölfen zutun gehabt, aber dieses Knurren ging selbst ihr durch Mark und Bein.Der Wolf schnüffelte deutlich in Luft und dann stoppte das Knurren abrupt. Er setzte sich auf, blinzelte sie an und dann ... dann fing er an, mit dem Schwanz zu wedeln. Von einem auf den anderen Moment wirkte er eher wie ein liebes Hündchen und nicht mehr wie ein böser Wolf.»Oh, das ist neu«, sagte Harry neben ihr und Hermine wäre am liebsten zu dem Tier gegangen und hätte ihn durchgekrault. Er schien gerade alles andere als wild und gefährlich.Aber draußen schien noch der Vollmond und dieser Wolf hatte Menschen angegriffen. Ganz zu schweigen davon, dass das Tier eben noch seine Zähne gefletscht hatte.Sie zog ihren Zauberstab und fing an, verschiedene Diagnosezauber zu sprechen. Der Wolf wollte zu ihr kommen, wurde aber von den magischen, unsichtbaren Fesseln zurückgehalten. Er jaulte, was sich eher wehleidig und nicht gefährlich anhörte.Die ersten Zauber sagten ihr, dass dies kein normaler, überdurchschnittlich großgewachsener Wolf war. Er war magisch. Aber auch kein Animagi. Er war anders. Etwas Neues.Vorsichtig trat sie einen Schritt nach vorne und beobachtete seine Reaktion. Der Wolf beobachtete sie interessiert und wedelte immer noch mit seinem Schwanz. Seine Zunge hin mittlerweile aus seinem Maul. Er wirkte fast so, als würde er lächeln.»Hallo du«, sagte Hermine leise. Noch immer zeigte das Tier keine aggressive Reaktion.»Sei vorsichtig Hermine. Eben hat er uns noch angegriffen und die Hölle heiß gemacht«, meinte Harry hinter ihr, aber sie hörte nicht auf ihn. Dies hier war ihre Ermittlung. Sie hatte genug wilde Werwölfe erlebt, um Sagen zu können, dass dieses Tier hier gerade nicht wütend auf sie reagierte.Ein weiterer Schritt nach vorne und der Wolf tanzte vor Freude von einer Vorderpfote auf die andere. Der Kopf des Wolfes ging ihr fast bis Schulter. Und sie war schon 1,65 Meter groß!Noch ein Schritt und sie hielt ihm ihre Hand entgegen, damit er daran schnüffeln konnte. Der Wolf drückte seine Nase sofort gegen ihre Handfläche und leckte sie danach ab. Er japste vor Freude und das Schwanzwedeln verstärkte sich.»Ich versteh ihn nicht, bei mir ist er eben voll ausgerastet«, sagte Harry sichtlich irritiert und trat näher an sie heran. Bisher hatte er im Türrahmen gestanden und die Geschehnisse aus sicherer Entfernung beobachtet.Sobald er näher an Hermine trat, fing der Wolf an, in seine Richtung zu knurren. Seine Ohren legten sich an und er fletschte seine Zähne.»Harry, geh wieder zurück«, wies Hermine an und beobachtete den Wolf genau. Er könnte sie innerhalb von Sekunden schwer Verletzten, so nah wie sie gerade war.Sobald Harry wieder weiter weg war, beruhigte sich das Tier und drückte seinen Kopf gegen Hermines Hand, als wollte er sagen: »Streichel mich!«Das Fell war unglaublich weich, als Hermine vorsichtig ihre Finger darin vergrub. Sie kraulte hinter seinem rechten Ohr und der Wolf drückte seinen ganzen Kopf in ihre Handfläche. Er hatte die Augen geschlossen und hechelte merklich zufrieden. Sein Schwanz schlug wild hin und her.»Okay, Harry. Er ist magisch, aber kein Werwolf oder Animagi. Kann er heute Nacht hier verbringen? Ich denke, nach dem Vollmond wissen wir mehr«, flüsterte Hermine, während sie dem Wolf weiter hinter dem Ohr kraulte.Hermine hatte in dieser Nacht noch so viel zutun, dass sie erst in den Morgenstunden wieder an den Wolf in der Zelle dachte. Sie trank ihren letzten Schluck Kaffee und wollte einfach nur noch ins Bett. Auch wenn sie Nachtschichten ab und an gerne machte, heute sehnte sie sich nach dem Feierabend.Sie war die Letzte im Büro, als sie die Tür hinter sich verschloss.Mit dem leeren Kaffeebecher in der Hand und ihrer Tasche über der Schulter, machte sie sich auf den Weg zu dem Wolf. Es ließ ihr keine Ruhe.Der Vollmond hatte bereits seine magische Wirkung auf Werwölfe verloren. Vielleicht war die Antwort der Frage, was für ein Wesen im Keller war schon beantwortet.Harry hatte bereits Feierabend, aber ein anderer Auror führte Hermine zu der Zelle und öffnete sie. Hermine bedankte sich schnell und schaute erst in den Raum, als die Tür hinter ihr ins Schloss fiel.Der Wolf war nicht mehr da. Stattdessen war da ein Mensch von den magischen Fesseln gefangen. Ein nackter Mensch, der sich in der Ecke zusammengekauert hatte.Hermine erkannte ihn sofort. Noch bevor er mit einem angsterfüllten Blick aufschaute.Da war Malfoy. Draco Malfoy. Der sie aus weit aufgerissenen Augen anstarrte.Und komischerweise war das Einzige, an das Hermine denken konnte, dass sie ihn gestern Abend hinter den Ohren gekrault hatte.Ihr fiel der Kaffeebecher aus der Hand.

----- CHAPTER BREAK -----

Kapitel 2Hermine atmete tief durch und betrat den Verhörraum.Der Schock saß ihr noch in den Knochen, als sie die Tür hinter sich schloss.Draco Malfoy hatte einen Aurorenumhang bekommen und sich darin eingewickelt. Er starrte stur auf seine dampfende Tasse Tee vor sich.Es war gut drei Jahre her, dass sie Malfoy das letzte Mal gesehen hatte. Damals war er perfekt gestylt in einem Anzug vor Gericht erschienen. Seine Verhandlung, die dank ihrer und Harrys Aussage zu seinen Gunsten verlief.Jetzt sah er alles andere als gut aus. Seine hellblonden Haare waren verstrubbelt. Er hatte tiefe Augenringe und einige Schürfwunden im Gesicht.Nach einem kurzen Verhör mit ihr, würde er ins Sankt Mungo kommen, um behandelt zu werden, aber erst musste sie sicherstellen, dass er keine Gefahr für die Allgemeinheit darstellte.»Hallo Malfoy«, sagte Hermine ruhig, aber Malfoy schaute nicht auf. Er starrte stur auf seine Tasse, die er mit beiden Händen umfasste. Seine Fingernägel waren stark verschmutzt.»Ich muss dir ein paar Fragen stellen, danach steht es dir frei, dich im Sankt Mungo behandeln zu lassen«, erzählte Hermine weiter. Malfoy zeigte keine Reaktion.»Erinnerst du dich, was letzte Nacht passiert ist?«, fragte sie weiter und sah ihn mit festem Blick an. Sie wartete ein paar Sekunden und als er immer noch nicht reagierte, sagte sie etwas lauter: »Malfoy bitte antworte auf meine Fragen, dann ist das hier schnell erledigt.«Endlich reagierte Malfoy. Er seufzte tief und schaute kurz hoch. Nur gut eine Sekunde, konnte sie in sein Gesicht schauen, dann senkte er seinen Blick wieder. Seine Augenlider waren nur halb geöffnet, er wirkte auffallend erschöpft. Seine Haltung schlaff und unsicher.»Es ist verschwommen«, nuschelte Malfoy dann.Hermine brummte verstehend und nickte.»Kannst du das etwas konkretisieren? Was ist das Letzte, an das du dich erinnern kannst?«Malfoy brauchte etwas zum Antworten. Er nahm einen Schluck seines Tees und atmete dann tief aus.»Ich weiß noch, dass ich in der Winkelgasse war. Ich wollte einkaufen, aber dann hatte ich Schmerzen und alles wurde verschwommen. Das einzige, an was ich mich klar erinnern kann, ist das du mich hinter den Ohren gekrault hast. Granger, unterlass das, falls es diese Situation jemals wieder geben sollte! Ich bin doch kein Hund«, sagte Malfoy. Am Anfang noch mit dünner Stimme, aber zum Ende hin klang er wieder gewohnt schnippisch und herablassend.Hermine ignorierte ihre heiß werdenden Wangen. Sie wollte es lieber vergessen, dass sie ihn gekrault hatte. Selbst, wenn der Wolf sich nicht als Malfoy entpuppt hätte, wäre ihr Verhalten zutiefst unprofessionell gewesen.»War das deine erste Verwandlung dieser Art?«, fuhr Hermine mit ihren Fragen fort. Malfoy nickte knapp, ohne aufzuschauen.»Wurdest du innerhalb des letzten Monats von einem Werwolf gebissen?«Diesmal schnellte Malfoys Blick nach oben. Seine Pupillen waren geweitet und er schien mit sich zu ringen.»Alaska«, murmelte er leise mehr zu sich selbst. Er starrte an ihr vorbei und schien tief in Gedanken.»Alaska?«, hakte sie nach.»Da war ein Wolf in Alaska. Ich dachte erst, es sei einer der Schlittenhunde, aber er war größer und er hat mich ohne Vorwarnung in den Arm gebissen«, erklärte Malfoy langsam und er starrte auf seinen rechten Unterarm. Die helle Haut blitzte unter dem Umhang hervor.»Kann ich den Biss sehen?«, fragte Hermine sofort und beugte sich etwas nach vorne. Sie sah genau, wie Malfoys Nasenflügel sich weiteten. Er spannte sich an und lehnte sich zurück. Ein kleines Lächeln zuckte über seine Lippen, verschwand aber sehr schnell wieder und er schüttelte seinen Kopf. Erst nach ein paar Sekunden holte er seinen Arm komplett unter dem Umhang hervor und streckte ihr diesen entgegen.Die Bisswunde war gut verheilt. Auf seiner hellen Haut war sie als rosa Schatten zu erkennen. Eindeutig ein Wolfsbiss, aber kein Aggressiver. Hermine hatte schon Werwolfsbisse gesehen, die viel wilder und grotesker aussahen. Dieser hier wirkte eher gezügelt. Als hätte der Wolf nicht die Absicht gehabt, ihn stark zu verletzen.»Wie lange ist dieser Biss her?«, erkundigte sich Hermine und unterdrückte den Drang, über die rosa Haut zu streichen. Professionell bleiben, rief sie sich in Erinnerung,»Ähm, etwa drei Wochen?«Hermine nickte verstehend und ging innerlich alle Informationen durch. Es gab allgemein drei Kategorien von Werwölfen. Die grüne Kategorie, hier durften die Werwölfe den Vollmond alleine verbringen. Sie hatten sich als vertrauenswürdig erwiesen, nahmen ihre Tränke pflichtbewusst ein und waren keine Gefahr für die Allgemeinheit.Dann gab es die rote Kategorie. Diese Werwölfe waren gefährlich. Teilweise wirkte der Wolfsbanntrank bei ihnen nicht, oder sie nahmen ihn nicht zuverlässig. Sie waren eine Gefahr für die Bevölkerung und wurden über den Vollmond eingesperrt.Und als Letztes gab es noch die Kategorie der Unbestimmten. Hier stand noch nicht fest, ob die Wölfe in die Grüne oder rote Rubrik fielen. Sie mussten jeden Vollmond beobachtet werden, bis eine Einsortierung möglich war. Malfoy gehörte hier dazu.»Okay, Malfoy. Zum jetzigen Zeitpunkt steht noch nicht fest, ob du ein klassischer Werwolf bist und in welche Kategorie du fällst. Als Unbestimmter musst du über die Vollmondzeit isoliert und beobachtet werden. Du wirst dazu in den nächsten Tagen mehr Informationen bekommen. Hast du noch Fragen? Ansonsten steht es dir frei, ins Sankt Mungos zu gehen und dich behandeln zu lassen.«Malfoy blinzelte sie an. Erst nach ein paar Sekunden senkte er den Blick und umklammerte wieder seine Teetasse.»Wo sind meine Gegenstände?«, fragte er dann leise.»Soweit ich weiß wurde keine persönliche Habe aufgefunden«, erwiderte Hermine.»Mein Zauberstab, mein Goldsack und meine Kleidung?«, konkretisierte Malfoy.»Die Kleidung wurde bei der Verwandlung zerstört. Wenn die anderen Gegenstände gefunden werden, werden wir dich sofort benachrichtigen«, erklärte Hermine ruhig. Sie konnte sich vorstellen, dass es nicht angenehm war, nach einer ungewollten Verwandlung in einen Werwolf auch noch seinen Zauberstab zu verlieren.Malfoy nickte mit gerunzelter Stirn.»Ich muss dich bitten, umgehend zu antworten, wenn wir dir schreiben. Solltest du keine Kommunikation zulassen, sind wir berechtigt dich bis zur Festellung deiner Kategorie in Gewahrsam zu nehmen«, erklärte Hermine. Damit war das formelle Gespräch von ihrer Seite aus beendet.Wieder nickte Malfoy, ohne sie anzusehen. Der Fingernagel seines Zeigefingers kratzte über die Tasse.Hermine wartete einige Sekunden.»Kann das unter uns bleiben? Ich will nicht, dass meine Eltern davon erfahren«, murmelte er dann und schaute kurz zu ihr hoch. Seine Augen wirkten traurig. Sie waren immer noch nur halb geöffnet.»Natürlich«, erwiderte Hermine und Malfoy atmete erleichtert aus.Er hatte seinen Arm mit der Bisswunde wieder unter seinen Umhang gezogen und stand nun vorsichtig auf. Hermine sah genau, wie seine Knie kurz zitterten, bis er sich wieder unter Kontrolle hatte. Und sie konnte nichts dagegen machen, dass Mitleid in ihr aufflammte.Sie wünschte keinem, nicht einmal ihrem größten Feind, gegen den Willen zu einem Werwolf verwandelt zu werden. Malfoy war vielleicht einmal unter die Kategorie »Feind« gefallen, aber dies traf schon lange nicht mehr zu.Schluckend stand auch sie auf und musste den Drang unterdrücken, Malfoy am Arm zu packen, um ihn zu stabilisieren. Sie wusste, dass er dies nicht wollte, egal wie sehr sie ihm nur helfen wollte. Er war immer der selbstverliebte, arrogante Arsch gewesen. Diese Situation musste ihm schwer zu schaffen machen.Sie hielt ihm die Tür auf.Malfoy hatte sich nach vorne gekrümmt. Eine Hand hielt den Umhang an seiner Brust fest verschlossen.Hermine konnte deutlich sehen, dass er nach Luft schnappte, als er sich an ihr vorbei durch die Tür schob. Er schien noch mehr zu straucheln als zuvor, fing sich dann aber wieder, bevor sie ihn stützen konnte.»Kann mich jemand in Malfoy Manor bringen? Ohne Zauberstab kann ich nicht apparieren«, murmelte er dann, wandte sich aber nicht erneut ihr zu.»Ja natürlich, ich gebe einem Auroren bescheid«, meinte Hermine sofort. Sie runzelte die Stirn, als sie den kurzen Weg zum Bereitschaftszimmer lief. Malfoy hatte sich an die Wand gelehnt und die Augen geschlossen, als musste er sich stark zusammenreißen.Ihr wäre es deutlich lieber gewesen, wenn er ins Sankt Mungos gegangen wäre. Aber er war erwachsen, sie konnte ihm nicht vorschreiben, was er tun und lassen sollte. Zumindest nicht in diesem Fall.Eine Aurorin nahm sich Malfoy an und Hermine beobachtete noch, wie diese zusammen verschwanden.Dann machte sie endlich Feierabend.Als sie ihre Wohnungstür aufschloß, kam ihr sofort ihr Kater Krummbein entgegen. Dieser miaute lautstark und forderte seine Mahlzeit ein. Pflichtbewusst fütterte sie erst ihren Kater und zauberte sich dann selbst etwas Schnelles zum Essen.Erschöpft ließ sich Hermine kurze Zeit später in ihr Bett fallen. Sie zog die warme Decke über ihren Körper und kuschelte sich in ihr Kopfkissen.Krummbein hatte es sich auf ihren Oberschenkeln gemütlich gemacht und schnurrte zufrieden.Mit dem Gedanken an Malfoy schlief sie ein und träumte von einem großen weißen Wolf.

----- CHAPTER BREAK -----

Draco Malfoy zog den geborgten Umhang fester um seine Schultern. Die Aurorin, welche ihn bis zu dem Eingangstor von Malfoy Manor apperiert hatte, schaute ihn kurz so an, als wollte sie ihn zurückverlangen. Aber nach einem bösen Blick von ihm verzichtete sie darauf.Ganz bestimmt würde er nicht nackt an die Tür seines Elternhauses klopfen. Mit einem Plopp verschwand die Hexe und Draco atmete erleichtert auf.So ganz hatte er noch nicht verarbeitet, was in den letzten Stunden passiert war. Aber eines war ihm klar, seine Eltern durften unter keinen Umständen davon erfahren. Ein Malfoy als Werwolf? Er würde sofort enterbt werden.Noch einmal atmete er tief durch und öffnete dann das Tor, welches ihn als Familienmitglied erkannte. Mit seinem Zauberstab hätte er bis in die Eingangshalle apparieren können, aber jetzt musste er den Pfad bis zur Eingangstür laufen.Schon auf halben Weg wurde die Tür aufgerissen und seine Mutter schrie aufgebracht: »Draco! Wo warst du? Weißt du eigentlich, was wir uns für Sorgen gemacht haben?«Sie lief ihm entgegen und blieb erst ein paar Schritte vor ihm stehen. Draco wusste, dass sein Erscheinungsbild gerade absolut nicht den Malfoy Ansprüchen genügte. Er spürte regelrecht den Dreck unter seinen Fingernägeln und seine Kopfhaut juckte unangenehm. Er sehnte sich nach einem ausgiebigen Schaumbad.»Mutter«, brachte er gequält über seine Lippen. Er hatte gehofft, sich erst ein wenig herzurichten, bevor er seinen Eltern begegnete.»Draco, was ist passiert?«, fragte Narzissa nur deutlich besorgter und umfasste beide seiner Wange. Draco musste den Impuls unterdrücken zurückzuweichen.»Ein Überfall. Es gab Chaos in der Winkelgasse und ich wurde von mehreren überwältigt. Sie haben alles gestohlen, auch meinen Zauberstab, selbst meine Kleidung«, erklärte er die Geschichte, die er sich in den letzten Minuten ausgedacht hatte.»Ein Werwolf hat gestern in der Winkelgasse randaliert, bestimmt war dass das Chaos. Aber sag, bist du verletzt, Schatz?« Sie tastete jetzt seinen Körper ab und stoppte erst, als Draco beide ihrer Hände in Seine nahm.»Mir geht´s gut Mutter, mir ist nur kalt und ich brauche ein Bad.«Er schob sich an ihr vorbei und überbrückte den letzten Abstand, um endlich sein Zuhause zu betreten.»Mippy!«, rief Narzissa, als sie das Manor betrat. Sofort ploppte ihre letzte Hauselfe, die nach dem Krieg geblieben war, vor ihnen auf.»Lass Draco ein Schaumbad ein, ja?«, bat Narzissa und Mippy nickte sofort übereifrig, ehe sie wieder verschwand.Draco konnte sich erst richtig entspannen, als er endlich in die wohltemperierte Badewanne stieg. Der Schaum kitzelte an seiner Nase, als er sich tief nach unten gleiten ließ.Dann hob er seinen rechten Arm mit der unscheinbaren Bisswunde. Er hatte es schon fast vergessen. Diese kleine Wunde sollte nun sein Leben komplett ändern.Draco biss sich auf seine Unterlippe, um keine Träne zu vergießen. Ein Malfoy zeigte nicht so leicht seine Emotionen, selbst wenn er alleine war.Er strich mit seinem Daumen über die hellrosa Linien.Vor einem Monat hatte ihn ein Hund gebissen. Zumindest hatte er gedacht, es sei ein Hund. Ein verdammt großer Köter. Aber er war zutraulich gewesen und hatte sich von ihm Streicheln lassen.In Alaska hatte er einige große Hunde gesehen. Auf einer Schlittenfahrt, in einem Waldstück, kam während einer Pause eines dieser Tiere zu ihm. Der Schlitten wurde von Schlittenhunden gezogen, deswegen dachte Draco, es sei eines dieser Tiere.Erst nachdem er den – wie er jetzt wusste – Wolf einige Sekunden gekrault hatte, biss dieser ihm in seinen Arm und verschwand dann wieder hinter den Bäumen. Trotz seiner Kleidung blutete es leicht. Draco wollte die Wunde heilen, aber dank den Muggeln um ihn herum konnte er nicht zaubern. Der Musher, der Mann, der das Hundeschlittengespann lenkte, hatte ihm dann erklärt, dass dies keins seiner Tiere gewesen sei, als er erste Hilfe geleistet hatte.Draco hatte sich nichts dabei gedacht. Erst einige Stunden später hatte er die Wunde geheilt und war nicht alarmiert, dass die leichte Narbe zurückblieb. Mit der Heilung war er einfach zu spät gewesen, davon ging er zumindest aus.Aber jetzt hatte er den Salat. Weil er einmal in seinem Leben freundlich war, war er nun zu einer Existenz als Werwolf verdammt.Seufzend ließ Draco sich noch tiefer in das Wasser gleiten. Der Schaum kitzelte an seiner Nase.Die letzte Nacht war das reinste Chaos in seinem Kopf. Seine eigentlich kurze Einkaufstour in der Winkelgasse, dann plötzliche Schmerzen überall und das Gefühl, als würde er seinen Körper nicht mehr kontrollieren können. Als wäre da schlagartig noch eine andere Person in ihm.Draco konnte nicht sagen, was er in dieser Nacht alles gemacht hatte. Ihm war bewusst, dass er Auroren angegriffen hatte. Er wusste nur nicht wieso.Doch etwas an das er sich ganz klar erinnern konnte, war, Hermine Granger. Seine ehemalige Mitschülerin, die er schon jahrelang nicht mehr gesehen hatte. Dieses andere Wesen in ihm hatte komisch reagiert, sobald er sie gerochen hatte. Gerochen! Ihr Duft schien dieses andere Etwas in ihm in den Wahnsinn zu treiben.Draco schüttelte seinen Kopf.War dieses andere Wesen, welches er in sich spürte, etwa der Wolf?Seine Fingernägel glitten über den Porzellanrand der Badewanne und erzeugten sanfte Töne. Er wollte sich nicht vorstellen, ab sofort jeden Monat zu einem gefährlichen Biest zu werden. Draco wollte einfach normal sein. So normal wie er als ein Reinblüter eben sein konnte.Plötzlich knirschte und ächzte es, als seine Finger die Schichten des Randes abkratzten.Irritiert sah er zu seiner rechten Hand. Da waren keine gepflegten Fingernägel mehr, sondern ... Klauen?Zischend zog er seine Hand weg und schüttelte sie, in der Hoffnung, wieder seinen ursprünglichen Zustand zu erreichen. Aber es war vergebens. Stattdessen sah er immer mehr Haare auf seinem Unterarm sprießen.Schwer atmend drückte Draco den Arm an seine Brust. Der Vollmond war vorbei. Was passierte hier gerade?Und dann war es plötzlich wie in einem Traum. Als ob er auf der Auswechselbank. Er konnte alles sehen, hören und spüren, aber sein Körper gehorchte ihm nicht. Und er sah verflucht noch mal sehr viel Fell und keinen menschlichen Körper! Sondern Pfoten!Der weiße Wolf wand sich einmal in der Wanne, eher er sich auf den Bauch drehte und sich mit seinen Vorderpfoten aus der Wanne schob. Er schüttelte sich und verteilte Dracos geliebten Schaum im ganzen Badezimmer.»Partnerin. Muss sie finden.«Draco hörte eine Stimme in seinem Inneren, welche nicht von ihm war. Instinktiv wusste er, dass sie von der Kreatur kamen. Von dem Wolf. Der Wolf, welcher nun zur Tür tapste und schnüffelte an dem Aurorenumhang, welcher achtlos auf dem Boden lag. Draco wusste instinktiv, dass er jemanden suchte. Und dieser jemand war ausgerechnet Granger.Aber das konnte er nicht zulassen!Seine Eltern dürften den Wolf nicht sehen! Niemand dürfte hiervon erfahren!Er schrie vor Wut auf, aber kein Laut drang nach außen.Der Wolf wimmerte, als er keinen Ausweg fand.Draco schrie weiter und schlug gegen die unsichtbaren Mauern, die ihm umgaben. Der Wolf wimmerte und schien sich gegen etwas zu sträuben.»Muss Partnerin finden.«Draco ignorierte es und hielt den Druck gegen die Mauern aufrecht. Und dann ... dann war er schlagartig wieder er.Er rutschte auf den Marmorfliesen aus und landete mit einem unsanften Plumpsen auf seinen Hintern. Das würde ein dicker blauer Fleck werden.Was für ein Tag.

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Kapitel 4Hermine Granger betrat am nächsten Tag erst gegen Mittag ihr Büro. Die Akten stapelten sich noch immer, aber trotzdem griff sie zu der Neusten vom gestrigen Tag.Sie überflog den Inhalt, um sich zu vergewissern, das sie nicht geträumt hatte. Aber tatsächlich hatte sie Draco Malfoy nun auf ihrer Betreuungsliste.Sie strich sich eine Haarsträhne hinter ihr Ohr, als sie alle bisherigen Informationen nochmals las. Noch konnte sie nicht viel in diesem Fall unternehmen. Zum nächsten Vollmond musste sie ihn unbedingt beobachten und klassifizieren. Vielleicht musste sie ihn auch mehrmals begutachten, um sagen zu können, in welche Kategorie er fiel.Am liebsten würde sie sich weiter in das Thema stürzen, immerhin war das Draco Malfoy! Aber im Moment musste sie sich wohl erst einmal anderen Fällen widmen.Nach einer Vollmondnacht gab es immer viel zu tun.Immerhin wurde, stand jetzt, kein neuer Fall eines Werwolfes gemeldet.Wenig später klopfte es an ihrer Bürotür. Hermine rief sofort: »Herein!«Harry Potter betrat den Raum und grinste sie an. Er trug seine Aurorenuniform und hatte ein kleines, unförmiges Bündel unter dem Arm.»Harry«, rief Hermine erfreut und lächelte ihn an.»Guten Morgen, Hermine!«, erwiderte Harry und kam auf sie zu, um den Stapel auf den Schreibtisch vor ihr abzulegen.»Huh, was ist das?«, fragte sie.»Du bist offiziell als zuständige Person in der Malfoy Akte genannt und diese gefundenen Objekte gehören sehr wahrscheinlich zu ihm. Also, wenn du sie ihm bringen möchtest? Ansonsten kann ich auch jemanden losschicken?«»Oh, nein das mache ich gerne! Ich muss sowieso noch einen Termin mit ihm ausmachen«, erklärte Hermine schnell.Neben einigen Stofffetzen entdeckte sie nun den Zauberstab von Malfoy. Den prägnanten dunklen Griff mit dem braunen Schaft erkannte sie sofort.»Du brauchst also einen Termin mit ihm? Also ist er ein Werwolf? Malfoy ein Werwolf?«, fragte Harry und grinste zum Schluss leicht. Hermine blinzelte.»Du weißt ich habe eine Schweigepflicht. Ich kann da nichts zu sagen«, sagte sie dann kühl. Es war nicht das erste Mal, das Harry sie wegen einer Sache ausquetschen wollte. Aber sie blieb in dieser Hinsicht professionell.»Ach komm schon Hermine! Das halbe Ministerium weiß schon, das gestern etwas vorgefallen ist.«»Nein, dass geht nicht!«, sagte Hermine entschieden.»Wurde bei dem Vorfall gestern jemand verletzt?«, fragte sie schnell, um eine der offenen Fragen aus Malfoys Akte abzuhaken.»Nein, keine Verletzten und alle Sachbeschädigungen die er angerichtet hatte, konnten mit Zaubern repariert werden«, antwortete Harry und Hermine nickte zufrieden. Damit würde Malfoy vielleicht in die grüne Kategorie fallen, die der Harmlosen. Aber sie durfte nicht zu voreilig sein. Erst einmal musste sie seine Verwandlung sehen und wie er unter normalen Bedingungen reagierte. Die erste Verwandlung war oft die Schlimmste. Danach wurde es meist besser, die Werwölfe bekamen eine Routine.»Danke, Harry«, meinte Hermine und Harry ließ sie nach einer kurzen Verabschiedung wieder allein.Erst als er die Tür hinter sich ins Schloss zog, schaute Hermine sich das Bündel genauer an. Sie legte den Zauberstab zur Seite und sortierte die Stofffetzen aus. Hermine wollte nicht mit einem versenkten und zerrissenen Umhang ins Malfoy Manor gehen, wenn er darum gebeten hatte, die ganze Sache geheim zu halten. Das einzige noch Intakte, war ein kleiner schwarzer Beutel. In goldenen Buchstaben war »DM« darauf gestickt. Sie öffnete ihn, aber er war leer. Scheinbar hatte der Finder sich an Malfoys Galleonen bedient. Sie legte ihn zu dem Zauberstab und schmiss die Stofffetzen in den Müll.Wenig später stand sie am Eingang des Malfoy Manors und versuchte, ein Schaudern zu unterdrücken. Das Haus wirkte von weitem deutlich friedlicher, von ihrem letzten unfreiwilligen Besuch in Erinnerung hatte. Eventuell lag es aber auch daran, dass es ein freundlicher Septembernachmittag war. Die Sonne schien und tauchte den Vorgarten in ein kleines Paradies aus Blumen.»Wie kann ich ihnen helfen, Madame?«, fragte eine Hauselfe, welche am Tor erschien.»Ich müsste zu Draco Malfoy. Ist er anwesend?«, fragte Hermine, nachdem sie sich auf Augenhöhe zu dem kleinen Geschöpf bückte. Noch immer hatte sie den Drang, Hauselfen zu befreien. Mittlerweile wurde sie wenigsten bezahlt, wenn sie es wollten. Trotzdem war sie noch nicht ganz zufrieden.»Master Draco Malfoy Sir ist zu Hause. Mippy fragt, ob er mit Madame sprechen möchte.« Die Hauselfe verschwand, bevor Hermine ihren Namen sagen konnte. Aber vielleicht hatte das Wesen sie auch erkannt?Es dauerte ein paar Minuten, dann öffnete sich das Tor wie durch Geisterhand und Hermine trat vorsichtig auf den Kiesweg.Sie lief den Pfad zur Eingangstür und dann konnte sie Malfoy sehen, welcher davor stand. Er trug einen schlichten, gut sitzenden, schwarzen Umhang, hatte seine Arme verschränkt und lehnte sich an die Wand an. Malfoy starrte sie mit seinem üblichen überheblichen Ausdruck an. Seine Augenbrauen waren gerunzelt und ... er fletschte mit den Zähnen?»Granger?«, knurrte er regelrecht, machte aber keine Anstalten ihr entgegenzukommen. Es war das absolute Gegenteil von ihrem letzten Treffen. War er dort noch verletzlich und irgendwie mitleiderregend, war er nun wieder das alte Ich, was sie kannte und gar nicht mochte.»Malfoy«, erwiderte sie deswegen ebenfalls kalt.Sie stand mittlerweile an der Treppe, welche zum Hauseingang führte. Nur fünf Stufen. Gerade wollte sie ansetzen, um zu ihm hochzulaufen, er wollte ja anscheinend nicht zu ihr nach unten kommen, da knurrte er schon wieder.Sie schaute stirnrunzelnd zu ihm auf und verharrte in ihrer Bewegung. Was war denn mit ihm los?»Was willst du?«, fragte er abweisend, schaute sie aber nicht einmal an. Hermine atmete einmal tief ein und aus und griff dann in ihre Tasche.»Wir müssten einen Termin ausmachen und du müsstest ein paar Standardfragen beantworten. Wollen wir das hier machen?«, fragte sie, während sie seinen Zauberstab und Geldbeutel hervorholte.»Dies wurde gefunden und gehört wohl dir?«, setzte sie hinzu und sah Malfoy an, um seinen Blick zu deuten. Seine ganze Haltung war nach wie vor abweisend. Sein Blick fixierte sich auf die Sachen in ihrer Hand, aber es ging erst ein Ruck durch seinen gesamten Körper, ehe er antwortete.»Wir können hier reden«, sagte er. Nur ganz kurz konnte sie ihm in die Augen schauen und sie wirkten wie Schlitze? Aber es war so schnell wieder weg, dass Hermine sich nicht sicher war, ob sie es sich eingebildet hatte.Weil er keine Anstalten machte, die Sachen aus ihrer Hand zu holen, ließ sie ihren Arm wieder sinken und räusperte sich kurz.»Also wie geht es dir?«»Wie soll es mir schon gehen, Granger?«, grummelte er als Antwort. Gut das konnte sie sogar nachvollziehen. Frisch verwandelte Werwölfe verhielten sich kurz nach ihrer Verwandlung häufig leicht gereizt.»Hast du Schmerzen?«, fragte sie schnell.Er schüttelte nur seinen Kopf.»Gab es besondere Geschehnisse seit deiner Rückverwandlung?«»Nein, nichts Ungewöhnliches.«Hermine runzelte ihre Stirn. Die Antwort kam etwas schnell und sie klang so, als wollte er gar nichts mehr zu dem Thema sagen.Sie leckte sich über die Lippen und konnte genau sehen, wie Malfoys Blick zu eben Diesen schnellte. Okay, das war definitiv ungewöhnlich.»Solltest du etwas bemerken, dann melde dich bitte bei mir. Wir müssen noch einen Termin ausmachen. Einen Tag vor dem nächsten Vollmond, musst du dich bei mir im Ministerium melden. Geht gegen 16 Uhr? Danach wirst du in eine Einrichtung gebracht und dort über den Vollmond bleiben und beobachtet werden. Weiteres wird dir vor Ort erklärt werden«, erzählte sie schnell und routiniert ihre übliche Ansprache. Malfoy schaute sie schon längst nicht mehr an.»Okay«, brummte er, nachdem ein paar Sekunden Stille geherrscht hatte.»Deine Sachen?«, abermals hielt sie ihm seinen Zauberstab und Geldbeutel entgegen. Sein Blick glitt zu ihrer Hand, dann zu ihrem Gesicht und dann wieder zu ihrer Hand. Er schien mit sich zu ringen. Warum wollte er denn nicht seinen Zauberstab wieder haben?Doch dann schnellte er so abrupt nach vorne, dass Hermine erschrocken nach hinten taumelte, um nicht zu fallen. Blitzschnell packte er seine Sachen aus ihrer Hand und ehe Hermine einen Laut der Überraschung über ihre Lippen bringen konnte, verschwand er wieder.Die Tür das Manors fiel mit einem lauten Knall ins Schloss und Hermine blinzelte das Tor an. Was war denn in ihn gefahren? Er hatte sich nicht einmal verabschiedet!Mit offenem Mund starrte Hermine weiter die Tür an, bis sie begriff, dass sie sich wirklich nicht mehr öffnen würde.Malfoy hatte sie ihr buchstäblich vor der Nase zugeschlagen.Schnaubend drehte sie sich um und ging in Gedanken versunken zum Ausgang. Malfoy war immer noch so ein Arschloch, wie zu ihrer Schulzeit. Es war fast schon traurig, dass sie gestern noch Mitleid mit ihm hatte. Es war immer noch Draco Malfoy. Er würde sich niemals ändern.

----- CHAPTER BREAK -----

Draco schlug die Haustür des Manors mit einem lauten Knall hinter sich ins Schloss. Er presste sich gegen das dunkle Holz, um sie nicht sofort wieder aufzureißen und zu Granger zu laufen.Verflucht! Die Bestie in ihm lief Amok! Gerade eben konnte er sich nur sehr knapp davon abhalten, Granger in seine Arme zu schließen. Das Monster in ihm wollte sie ablecken!Draco presste seine heißen Handflächen gegen das kühle Holz. Dann hörte er Granger schnauben und wie sie sich umdrehte.Er hörte jeden verfluchten Schritt, den sie auf dem Kiesweg machte, als sie sich entfernte und schließlich den Plopp ihres Apparierens. Das war gar nicht normal! Ganz und gar nicht.Draco traute sich erst wieder seine Augen zu öffnen, er hatte gar nicht gemerkt, dass er sie geschlossen hatte, als er seine Mutter kommen hören konnte.So schnell wie noch nie zuvor lief er die Treppe nach oben in sein Zimmer und schlug die Tür so laut zu, dass es in seinen Ohren klingelte.Er verharrte ein paar Sekunden, bis das Biest wieder versuchte, die Oberhand zu gewinnen. Allerdings wollte der Wolf nun nicht mehr hinter Granger herrennen, sondern an seinen Sachen schnüffeln?Draco schaute stirnrunzelnd zu seinem Zauberstab und seinen Geldbeutel, welche er fest umklammert in seiner Hand hielt. Seine Situation war so verflucht verwirrend, dass er sich noch nicht einmal darüber gefreut hatte, dass er seinen Zauberstab wieder hatte. Bei Merlin, er hatte sich nicht einmal bei Granger dafür bedankt. Okay, er hatte es auch nicht geschafft sich bei ihr zu verabschieden, weil das Monster in ihm Granger anlecken wollte ...Und dann war da noch sein Geldbeutel. Leer wie er dem Gewicht entnehmen konnte, aber trotzdem interessierte sich der Wolf in ihm dafür. Ohne es wirklich zu steuern schritt Draco zu seinem Bett, setzte sich und legte den Beutel auf seinem Kopfkissen ab. Das goldene »DM« aus Seide strahlte ihm entgegen und ohne es wirklich zu wollen, musste Draco lächeln.Er rutschte weiter auf sein Bett, bis er sich seitlich hinlegte und seinen Kopf sehr nahe an den Beutel ablegte. Ein sanfter Geruch von neuem Pergament und - war das frisch gemähtes Gras? - kam ihm entgegen.Der Wolf in ihm wollte seine Schnauze in den Beutel vergraben. Den Geruch aufnehmen und überall auf sich verteilen. Dracos Finger zuckten in die Richtung, doch er konnte den Drang gerade noch unterdrücken.Erst dann dämmerte es Draco. Dieser verfluchte Geldbeutel roch nach Granger. Sie hatte ihn in der Hand gehalten.Draco drehte sich mit einem seufzend auf den Rücken und vergrub seinen Kopf in seine Hände.Wie sollte das alles weitergehen? Er müsste Granger aus dem Weg gehen, bis sich dieser Drang legen würde. Aber er konnte ihr nicht ewig aus dem Weg gehen, da sie seine zuständige Sachbearbeiterin war. Er musste zu diesem verdammten Termin gehen, er hatte gar keine andere Wahl.Es wurde jeden Tag schlimmer. Das Biest in ihm wollte ausbrechen und zu Granger, die es Partnerin nannte.Draco hatte den Geldbeutel eigentlich auf seinen Schreibtisch verbannt, aber er kam immer wieder zurück ins Bett. Eines Morgens wachte er auf und sein Beutel lang in vielen kleinen Fetzen verteilt auf dem Laken. Instinktiv wusste er, dass der Stoff nicht mehr nach Granger gerochen hatte und das Biest wütend deswegen gewesen war. Sollte ihm egal sein. Das Einzige, was ihn irritierte, waren die Pfotenabdrücke auf seinem Teppich. Definitiv hatte er keinem Tier Einlass gewährt. Ihm lief es kalt den Rücken runter, wenn er sich vorstellte, dass das Biest nachts die Überhand gewonnen hatte.Die Tage vergingen viel zu schnell. Er musste seinen Vater zu Terminen begleiten und ging einige Male in die Winkelgasse. Ein paar Artikel, die er nicht wirklich interessant fand, aber einen großen Drang verspürte, sie zu kaufen, gingen in seinen Besitz über. Sie stapelten sich alle auf seinem Schreibtisch und Draco hatte keine Ahnung, was er damit machen sollte. Es fing bei teuren Zaubertrankzutaten an, über Damenschmuck bis hin zu Designerkleidung ... für Frauen.Draco konnte sich bei den meisten Artikeln gar nicht mehr daran erinnern, dass er sie gekauft hatte. Aber immer, wenn er sich entschloss, die Dinge zu entfernen oder vielleicht seiner Mutter zu schenken, schmerzte etwas in seinem Inneren und er ließ es bleiben.Ein paar Tage vor dem näherrückenden Termin schlang er sich einen filigranen dunkelgrünen Schal aus Seide um den Hals. Er passte zu seinem Outfit, aber Draco hatte sowas vorher noch nie getragen. Draußen war es sogar noch warm, aber trotzdem spürte er einen regelrechten Zwang, dieses Ding zu tragen. Wenn er das Biest in sich so zufrieden stellen konnte ...An diesem Abend wurde er von seinem Vater dazu gezwungen gemeinsam zu Abendessen. Wie immer war es eine verdammt steife Angelegenheit, aber trotzdem bei weitem besser als noch vor ein paar Jahren, als sie die lange Tafel mit einigen anderen teilen mussten.»Draco, erzähl uns von deiner neuen Freundin«, sagte seine Mutter plötzlich und Draco verschluckte sich fast an seiner Suppe. Er schaute sie an und schluckte. Wie kam sie denn bitte da drauf?»Ich habe keine Freundin«, erwiderte er schnell, da er schon den bohrenden Blick seines Vaters auf sich spüren konnte.»Und die ganzen Geschenke in deinem Zimmer? Und die Eule, die letztens ein Paket wegtransportiert hat? Was hat das dann zu bedeuten?«»Was für eine Eule?«, fragte Draco ausweichend.»Ach tu nicht so, ich habe dich doch gesehen, wie du ihr ein Paket ans Bein gebunden hast. Auch wenn du deine arme Mutter anschließend ignoriert hast.«Draco blinzelte und versuchte, sich daran zu erinnern. Könnte es das Biest gewesen sein? War dieses Monster in ihm dazu fähig, ihn so zu kontrollieren, um eine Eule zu verschicken? Eine Eule die bestimmt zu Granger geflogen war.»Es ist hoffentlich kein Schlammblut«, sagte sein Vater kalt und Draco schluckte.»Lucius! Darüber haben wir doch schon geredet! Draco es ist egal, wen du dir als deine Partnerin aussuchst. Wir sind glücklich, wenn du glücklich bist«, sagte Narzissa dann schnell und Draco nickte einfach nur. Zum Glück fragten beide nicht weiter nach.Sobald Draco wieder auf seinem Zimmer war, verstaute er alle Gegenstände in seinem Kleiderschrank. Abermals hatte er es nicht über sich gebracht, sie zu entsorgen. Aber so konnte sie zumindest niemand mehr sehen.Er ging all die kleinen Gegenstände durch, aber er konnte nicht ausmachen, was er Granger schon geschickt haben könnte. In diesem Haufen waren so viele verschiedene Artikel ... Er hoffte einfach, dass er ihr nichts von der leicht anzüglichen Kleidung geschickt hatte ...Am Tag des Termins wachte Draco viel zu früh auf. Das Biest in ihm schien zu wissen, dass sie heute wieder Granger sehen würden. Es war, als ob das Monster mit dem Schwanz wedeln würde.Draco schüttelte mehrmals seinen Kopf, um Gedanken zu vertreiben. Das Tier in ihm wollte einige der Objekte mitnehmen, aber Draco schaffte es, standhaft zu bleiben. Keine Geschenke für Granger!Um kurz vor 16 Uhr verabschiedete Draco sich von seiner Mutter, welche ihn wissend anlächelte. Sie vermutete immer noch, dass er mit einer Frau ausging. Dass er heute Nacht nicht wieder kommen würde, würde ihre Vermutung noch verstärken, aber dagegen könnte er wohl nichts tun. Die nächsten Vollmondnächte würde er alle nicht zu Hause verbringen können.Sein Herz schlug viel zu schnell als er schließlich in der Eingangshalle des Ministeriums stand. Der Weg zu ihrem Büro war eine reine Qual. Nach nur ein paar Metern konnte er den Geruch nach frischem Gras und Pergament wahrnehmen und das Biest in ihm sabberte regelrecht. Immer stärker musste er gegen das Monster ankämpfen.An ihrer Bürotür angekommen blieb er stehen und klopfte nach kurzem Zögern an.In ein paar Stunden würde er sich nicht mehr kontrollieren können. Das Biest, das Monster, der Wolf würde die Oberhand gewinnen. Und Draco wollte es sich noch nicht eingestehen, aber er hatte Angst. Angst, was er machen würde, wenn er keine Kontrolle über seinen Körper hatte. Und das Schlimmste, wenn dabei Hermine Granger in seiner Nähe wäre.Er streifte sich den Schal vom Hals, weil ihm unangenehm warm wurde. Seine Finger krallten sich in den weichen Stoff, was eine gute Ablenkung darstellte. Vielleicht könnte er so dieses Treffen überstehen ...Ein leises »Herein!«, drang an sein Ohr und nach einem letzten nervösen Schlucken öffnete er die Tür.

----- CHAPTER BREAK -----

Kapitel 6Hermine hörte ein Klopfen an der Tür. Ein Blick zur Uhr zeigte ihr, dass es Draco Malfoy für seinen Termin sein müsste.Der Mann verwirrte Hermine immer mehr. Ein paar Tage nach ihrem Besuch bei ihm war ein Päckchen bei ihr eingetroffen, getragen von seinem Uhu. Eine Schachtel Pralinen und ein abgerissenes Stück Papier, auf welchem in einer sehr krakeligen Schrift »Entschuldigung – DM« stand. Die Pralinen waren von sehr hoher Qualität, aber die kleine Nachricht ließ sie stutzen. Sie hatte Malfoys Handschrift als sehr elegant und filigran in Erinnerung. Stirnrunzelnd hatte sie den Zettel angestarrt und ihn schließlich weggeworfen. Vielleicht hatte ein betrunkener Malfoy gemerkt, wie unhöflich er sich verhalten hatte. Die Pralinen hatten ihr jedenfalls geschmeckt.»Herein!«, rief sie schnell, als sie merkte, dass sie zu lange brauchte, um zu antworten. Malfoy war immer noch ihr Fall, sie durfte sich nicht von seiner Art beeinflussen lassen. Theoretisch hätte sie auch schon die Pralinen nicht annehmen dürfen.Die Tür knarzte leise, als er sie öffnete und er langsam eintrat.Malfoy schaute nicht auf. Er trat nur ein paar Schritte in den Raum. Mal wieder trug er einen perfekt sitzenden schwarzen Anzug. Nur seine Haare wirkten etwas wirrer als sonst, so als ob er sich öfter durch die hellen Haarsträhnen streichen würde. Und er trug einen dunkelgrünen Schal in einer Hand. Die Tür ließ er weit offenstehen. Selbst von hinter ihrem Schreibtisch, gut zwei Meter von der Tür entfernt, konnte sie seine Hauptschlagader am Hals pulsieren sehen. Warum war Malfoy jetzt schon so angespannt? Hatte er so Angst vor dem Termin?»Hallo Malfoy, setz dich gerne«, begrüßte Hermine ihn und wies auf den Stuhl für ihre Besucher. Malfoy hielt seinen Blick immer noch gesenkt, einige Haarsträhnen fielen ihm ins Gesicht. Trotzdem konnte Hermine sehen, dass er seine Zähne fest aufeinanderpresste.Malfoy schaute nicht auf, als er nähertrat, die Tür ließ er offen stehen. Hermine schaute kurz zur Tür und dann wieder zu ihm. Machte ihm die ganze Sache so sehr zu schaffen, dass er sich nicht in geschlossenen Räumen aufhalten wollte? Sie hatte schon die verschiedensten Reaktionen von frisch verwandelten Werwölfen miterlebt, deswegen kommentierte sie sein Handeln nicht.»Wie geht es dir?«, fragte sie, als er nichts sagte.»Gut«, sagte er zähneknirschend und Hermine nickte. Natürlich, nur sehr selten wurde diese Frage ehrlich beantwortet.»Du brauchst keine Angst zu haben. Wir werden gleich in die spezielle Einrichtung für Werwölfe aufbrechen. Dann wirst du den Wolfsbanntrank unter unserer Aufsicht einnehmen und man wird dich bei der Verwandlung beobachten«, fing sie an zu erklären.»Okay«, erwiderte Malfoy trocken.»Gut, die nächsten neun Monate musst du immer kurz vor der Vollmondnacht hier eintreffen. Dann können wir feststellen, welcher Kategorie du angehörst.«Malfoys Kopf schnellte nach oben, als sie den Zeitraum nannte. Nur kurz konnte sie ihm in Augen schauen, aber die tiefen Augenringe waren zu markant, um sie zu übersehen.»Neun Monate?«, zischte er regelrecht.»Ja, wir brauchen so lange, um eine endgültige Einschätzung zu geben, in welche Kategorie du fällst«, sagte Hermine energisch und erklärte ihm schnell die Einzelheiten zu dem Prozedere. Er wirkte nicht begeistert, aber da war er nicht der Einzige. Die meisten reagierten in diesem Fall widerwillig.Malfoy schnaubte am Ende ihrer Erklärung und krallte seine Hände in den dunkelgrünen Schal.»Okay, wenn du keine weiteren Fragen hast, dann können wir jetzt aufbrechen«, meinte Hermine und stand schon einmal auf. Sie schnappte sich Malfoys Akte unter einem Arm und den Portschlüssel in die andere Hand. Es war eine kleine Lampe, welche erst als Portschlüssel funktionierte, wenn sie angeschaltet wurde.Malfoy schaute langsam auf. Seine Hände krallte er immer noch in seinen Schal, als wollte er sich damit ablenken.Als sie ihm die Lampe entgegenstreckte, stand er ruckartig auf und taumelte leicht. Stirnrunzelnd schaute sie ihn an, bis er sich sichtlich zusammenriss und ebenfalls nach dem Portschlüssel griff.Hermine aktivierte ihn und sofort wurden sie an den neuen Ort gesogen. Die spezielle Werwolfseinrichtung befand sich tief in einem Wald. Kilometer entfernt von der nächsten Örtlichkeit. Falls einmal ein Werwolf während einer unkontrollierten Verwandlung entkommen sollte, würde er so keine Menschen verletzen können.Anschließend an den kleinen Empfangsraum, wo der Portschlüssel sie absetzte, gab es einige Beobachtungszellen. Eine Zaubertrankküche befand sich im Obergeschoss, in welcher den ganzen Monat über der Wolfsbanntrank gebraut wurde. Jetzt standen einige fertig gebraute Tränke hinter dem Tresen, zu welchem sie Malfoy führte.Der Empfangsraum wirkte noch einladend, hell und freundlich eingerichtet. Die restlichen Räume waren leider eher karg. Jede Beobachtungszelle hatte Verankerungen in der Wand, an welche Ketten und Seile beschworen werden konnten. Die meisten bestanden nur aus rötlichen Backsteinen. Neben jeder Beobachtungszelle gab es einen Raum, von welchem man in die Zelle schauen konnte. Die Person in der Zelle konnte einen selbst jedoch nicht sehen. So konnten die Reaktionen des Werwolfs beobachtet werden, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen.Hermine trat hinter den Tresen und füllte schnell ein Protokoll aus. Den Namen von Malfoy, ihren Namen als Sachbearbeiterin und das sie ihm den Trank ausgehändigt hatte.Sie hielt Malfoy eine der Phiolen hin.Er starrte ihre Hand an, als wäre sie persönlich für all sein Unglück verantwortlich.»Du musst ihn trinken Malfoy, da führt kein Weg dran vorbei«, sagte sie ruhig aber bestimmt. Malfoy atmete sichtlich aus, riss ihr dann das Fläschchen aus der Hand und trank den Inhalt in einem Zug leer.Hermine nickte zustimmend. Sie hakte den Punkt auf dem Protokoll ab, dass der Patient ohne Widerstand das Gebräu zu sich genommen hatte. Der erste Schritt in Richtung zur grünen Kategorie. Sie hoffte, dass Malfoy in dieser landen würde.»Okay, dann können wir jetzt zu deiner Beobachtungszelle gehen«, murmelte Hermine, während sie auf den Belegungsplan hinter dem Tresen schaute. Heute wären insgesamt 13 Werwölfe anwesend. Vier von ihnen, inklusive Malfoy, waren noch Unbestimmte, der Rest gehörte der roten Kategorie an und musste jeden Monat erscheinen.Sie stellte die leere Phiole an der Seite ab und gerade, als sie Malfoy durch eine Tür weiter geleiten wollte, ploppte es und ein weiterer Werwolf erschien, zusammen mit ihrer Kollegin Lisa. Noch ein unbestimmter Wolf, vor zwei Monaten hatte er seine erste Verwandlung hinter sich gebracht.Ein lautes Knurren drang an ihr Ohr. Hermine schaute zu Malfoy, als dieser plötzlich den Abstand zwischen ihnen überbrückte und sich zwischen sie und den beiden Neuankömmlingen stellte. Sie blinzelte seinen Rücken an. Es kam nicht selten vor, dass sich Werwölfe hier begegneten, aber in der Regel ignorierten sie sich. Hermine hatte noch nie mitbekommen, dass einer knurrte. Sie musste ihn schnell hier heraus bringen und in seine Zelle sperren, bevor noch etwas Schlimmes passierte.Sie begrüßte zügig ihre Kollegin und ging dann in Richtung der Tür. Malfoy schaute über seine Schulter zu ihr und folgte ihr, ohne zu zögern, den Körper immer noch als eine Art Schutzschild zwischen ihr und dem anderen Werwolf.Wollte er sie etwa beschützen? Aber gerade war er noch ein Mensch. Er sollte jetzt keine Wolfsinstinkte haben. Diese kamen ausschließlich während der Verwandlung.Kaum fiel die Tür hinter ihnen ins Schloss entspannte Malfoy sich deutlich.»Kannst du mir erklären, was das eben sollte?«, fragte Hermine, während sie ihn zu der Zelle führte, welche der Belegungsplan für ihn vorgesehen hatte.»Was?«, fragte er kurz angebunden und Hermine musste ein Seufzen unterdrücken.»Hast du das Gefühl, dass du nicht mehr du selbst bist?«, fragte sie weiter.»Du ahnst gar nicht wie sehr«, sprach er so leise, dass Hermine sich nicht sicher war, ihn richtig verstanden zu haben.Ein Blick über ihre Schulter zeigte ihr jedoch, dass es keinen Sinn machen würde, Malfoy jetzt weiter zu befragen. Dies musste bis nach der Verwandlung warten, er war bereits sichtlich beeinflusst. Das musste sie weiter beobachten. Es war ungewöhnlich, weil der Vollmond noch nicht aufgegangen war. Er sollte sich derzeit eigentlich nur wie ein Mensch verhalten.»Okay Malfoy, hier ist dein Raum. Ich werde dich hier wieder herauslassen, wenn deine Verwandlung beendet ist. Alles was du brauchst, findest du drinnen.«Malfoy schaute sie aus seinen grauen Augen an. So einen Ausdruck hatte sie noch nie bei ihm gesehen. Er wirkte beinahe ... verletzlich? Ihm schien das Ganze wirklich mitzunehmen. Hermine wurde es schwer ums Herz. Sie wollte ihm helfen. Sie wollte allen helfen, die ihre Hilfe annehmen würden.Dann streckte Malfoy ihr den Schal, den er die ganze Zeit in seinen Händen gehalten hatte, entgegen. Verwirrt sah sie den auf dem ersten Blick hochwertigen Stoff an und dann wieder in seine Augen. Sie schienen sie regelrecht anzubetteln, den Schal anzunehmen.»Ich will nicht, dass er zerstört wird«, murmelte er, unterbrach den Blickkontakt sofort wieder und Hermine nahm ihn mit einem Nicken entgegen. Auf Malfoys Gesicht zuckte kurz ein Lächeln auf. Unbewusst erwiderte sie das Lächeln.»Deinen Zauberstab benötige ich ebenfalls«, sagte Hermine.Sein Lächeln gefror, aber er übergab ihr den Stab ohne Widerstand. Dann trat Malfoy an ihr vorbei in die Zelle. Er stand mit gesenktem Kopf nur ein paar Schritte von ihr entfernt. Hermine konnte durch die Anzugjacke genau erkennen, wie sehr sich sein Rücken anspannte. Am liebsten wollte sie nochmals fragen, ob alles in Ordnung sei, aber sie wusste die Antwort auf diese Frage bereits. Für ihn begann ein neuer Lebensabschnitt und aktuell war nichts mehr in Ordnung. Sie wollte ihm helfen, mit seiner neuen Situation klarzukommen.Hermine zwang sich regelrecht die Tür zu schließen und zu verriegeln. Im letzten Moment konnte sie seinen eindeutig traurigen Blick auf sich sehen. So als ob er sich nicht von ihr trennen wollte.Ihr Herz schmerzte bei diesem Anblick.Hermine hoffte, dass seine Verwandlung einfach werden würde. Das er nicht zu viele Schmerzen erleiden müsste. Dass er sich kontrollieren würde. Sie wollte ihn nicht leiden sehen. Vor allem, weil er sich nicht wie der typische neue Werwolf verhielt.Mal sehen, was die Nacht bringen würde.

----- CHAPTER BREAK -----

Kapitel 7Draco verlor die Sicht auf Granger, als die Tür ins Schloss fiel. Er hörte ein Verriegeln und dann war er allein. Er schloss seine Augen und atmete ein paar Mal tief durch.Der Geruch von Granger hing ihm noch in der Nase. Er war so berauschend, dass es ihm schwerfiel, keine Peinlichkeit zu verursachen.Der andere Werwolf, der aufgetaucht war, hatte ihn fast durchdrehen lassen. Das Tier in ihm hatte sich so bedroht gefühlt, dabei hatte der Mann nichts getan. Draco hatte am Ende regelrecht gerochen, dass der andere klein beigab. Der Wolf in ihm hatte mit breiter Brust den Sieg genossen.Dann hatte Draco sich so stark beherrschen müssen, Granger nicht anzufallen. Das Tier in ihm wollte Granger als seins markieren, am liebsten mit Speichel. Er hatte ihr zum Schluss den Schal gegeben, welchen er vorher tagelang getragen hatte. Eindeutig eine Duftmarkierung!Als Hermine den Stoff angenommen hatte, hatte sich der Wolf ihn ihm gefreut, so als ob sie ein wichtiges Paarungsgeschenk angenommen hätte. Es war so lästig.Draco öffnete seine Augen wieder und starrte die roten Backsteine vor sich an. Die Zelle war klein, überschaubar und lieblos. Es gab an einer Wand nur eine Sitzmöglichkeit, welche ebenfalls aus Stein bestand. Keine Polster, kein Fenster gar nichts.Draco seufzte. Er spürte schon wieder den Drang in sich, sich zu bewegen. Der Wolf wollte die ganze Zelle ablaufen. Draco hatte keine Kraft mehr, sich dagegen zu wehren.Er fühlte sich immer ausgelaugter, müder und schlapper.Ohne es wirklich zu wollen, fing er an, sich zu bewegen. Fünf Schritte an der langen Wandseite und drei Schritte an der Kurzen. Das Tier in ihm starrte die Backsteine an, als würden sie ihm alle Fragen der Welt beantworten.Und dann stoppte der Drang plötzlich. Draco blieb in der Mitte einer der langen Seiten stehen und neigte seinen Kopf schief. Warum wollte der Wolf hier stehen bleiben?Er brauchte ein paar Sekunden, um zu verstehen, dass Granger sich auf der anderen Seite der Mauer befinden musste.Der Wolf in ihm wollte raus. Er kratzte an der unsichtbaren Wand, welche sie trennte. Seufzend begann Draco seine Krawatte zu lösen. Er wollte seinen Anzug nicht ruinieren, aber er hatte auch nicht in anderer Kleidung zu dem Termin erscheinen wollen. Das hätte sich nicht gehört. Ein Malfoy kleidete sich immer gut. Sehr gut sogar.Draco wollte sich von der Steinmauer abwenden. Wenn Granger wirklich hinter dieser Wand stand, wollte er sich lieber nicht direkt davor ausziehen. Allerdings schien der Wolf in ihm darauf zu beharren, genau hier stehen zu bleiben.Seine Krawatte fiel zu Boden. Draco runzelte seine Stirn. Eigentlich hatte er sie fein säuberlich gefaltet ablegen wollen. Nicht einfach auf den Boden fallen lassen.Die ersten Knöpfe seines Hemdes öffneten sich, ohne dass er weiter darüber nachdachte. Eine seiner Hände fuhr über seinen Hals hinunter zu seiner Brust.Draco biss sich auf seine Unterlippe, aber er konnte die Taten seines Wolfes nicht unterbinden. Dieser führte jetzt regelrecht einen Paarungstanz auf.Er schüttelte heftig seinen Kopf und spürte, wie er wieder die Oberhand gewann. Schnell schnappte er sich die Krawatte vom Boden und lief zur Bank. Draco setzte sich und faltete den Schlips fein säuberlich neben sich zusammen.Noch einmal atmete er tief durch und dann bückte er sich, um seine schwarzen Lackschuhe zu öffnen. Draco hatte gerade die erste Schleife geöffnet, da wurde er wieder von dem Biest in ihm überwältigt.Kurz darauf stand er wieder vor der vermaledeiten Mauer. Sein Hemd war in Windeseile geöffnet und dann elegant von seinen Schultern gezogen.Mit lasziven Bewegungen bückte Draco sich. Dabei drehte er seinen Hintern zur Wand und streckte seinen Rücken durch, während er seine Schuhe weiter öffnete und aus diesen schlüpfte.Als der Wolf die Gürtelschnalle öffnete, riss Draco die Oberhand wieder an sich. Mit heißen Wangen schnappte er sich das Hemd vom Boden und lief zurück zur Bank.Was zum Teufel? Was würde Granger nur von ihm denken?Er schaffte es gerade einmal das Kleidungsstück zu falten, dann wurde er wieder übermannt. Die letzten Minuten, in welchen er noch zurechnungsfähig war, musste er damit verbringen, dem Wolf, also seinem verdammten Körper, dabei zuzuschauen, wie er eine Show hinlegte.Innerlich betete er an Merlin, dass er wenigstens den letzten bisschen Anstand bewahren könnte. Und seine Gebete wurden erhört.Noch während er seine schwarze Boxershorts trug, verwandelte er sich in die haarige Bestie, nicht ohne der Wand – also Granger – noch ein spitzbübisches Lächeln zuzuwerfen. Der weiße Wolf schüttelte sein Fell aus und hechelte in die Richtung der Mauer, als sei er stolz auf sich. Draco kam wieder zu sich und fühlte sich wie gerädert.In seinem Kopf hämmerte es. Seine Glieder waren schwer und er schmeckte einen komischen Geschmack in seinem Mund. Draco schnalzte mit seiner Zunge gegen seinen Rachen, um ihn ein wenig zu befeuchten, es half nur bedingt.Erst nachdem er ein paar Mal ein- und ausgeatmet hatte, öffnete er seine Augen.Draco befand sich noch immer in der Zelle. Nackt.Mit einem Stöhnen zwang er sich in eine sitzende Position. Automatisch fuhr eine seiner Hände an seinen Kopf, aber es konnte nichts gegen seine Schmerzen ausrichten.Er brauchte ein paar Sekunden, bis er sich umschaute. Seine Hose lag als Knäuel in einer Ecke des Raumes. Der Gürtel noch daran befestigt. Nur sein Hemd und seine Krawatte lagen da, wie er sie hinterlassen hatte, auf der Bank.Ächzend zwang Draco sich aufzustehen. Mit dem Rücken zu der Wand, hinter der sein Wolf Granger vermutete, lief er zuerst zu seiner Hose und zog sie ohne Unterhose an. Sein Wäschestück existierte nur noch als Stofffetzen in dem ganzen Raum verteilt.Draco schloss den Gürtel und lief dann die wenigen Schritte zur Bank.Warum fühlte er sich so erniedrigt? Er konnte nicht einmal sagen, ob er aktuell beobachtet wurde. Aber es gefiel ihm ganz und gar nicht. Das einzige Gute war, dass Ruhe in seinem Kopf herrschte. Der Wolf schien endlich zu schlafen.Seufzend zog sich Draco sein Hemd wieder an. Er konnte sich nicht daran erinnern, dass er schon einmal ein Oberteil mehrere Tage getragen hatte. Noch etwas, was ihm nicht schmeckte.Er wollte so schnell wie möglich nach Hause, ein Bad nehmen und vor allem seine Zähne putzen.Kaum hatte er den letzten Knopf seines Hemdes geschlossen, wurde die Zellentür geöffnet.Dracos Kopf schnellte nach oben. Granger!Er spürte, wie seine Nasenflügel bebten, als er intensiv einatmete.»Guten Morgen, Malfoy. Wie geht es dir?«, fragte sie, aber Draco schenkte ihren Worten keine Beachtung. Sein Wolf schien den Geruch zum Ansporn zu nehmen, sich nochmals an die Oberfläche zu kämpfen.Ehe er sich versah, platzten alle Nähte seiner Kleidung und er war erneut ein Werwolf. Draco konnte nichts dagegen machen, als das Tier nach vorne preschte und eine überrascht dreinschauende Granger zu Boden warf.Hermine quietschte auf, als der Wolf über ihren Nacken leckte. Mehrere Haare verhedderten sich in seiner Schnauze, aber das Tier machte so lange weiter, bis Draco endlich wieder die Oberhand gewann.Von einer auf der anderen Sekunde war er erneut ein Mensch. Seine Hände neben ihrem Kopf abgestützt, sein Gesicht in ihren Haaren vergraben und er war verdammt nackt dabei. Ihr Duft von Pergament und frisch gemähtem Gras wehte ihm entgegen und schien ihn regelrecht zu benebeln, bis er es endlich schaffte, sich zu lösen.Mit glühenden Wangen strauchelte er zurück.»Entschuldige, Hermine«, stammelte er und rückte immer weiter weg.Ihre Augen waren stark geweitet, als sie sich aufsetzte. Draco sah genau, wie ihr Blick kurz zu seinem Schritt glitt, ehe sie mit errötetem Gesicht wieder wegschaute.»Reparo«, murmelte sie leise und Draco ergriff sofort die Kleidung, welche sich durch ihren Zauber zusammensetzte. Hermine drehte ihm den Rücken zu, als er sich erneut an diesem Tag anzog. Diesmal sogar mit seiner Unterhose.Er räusperte sich, als er wieder anständig gekleidet war, und sie wandte sich ihm erneut zu. Ihre Wangen waren immer noch gerötet und sie lächelte ihn leicht an. Es wirkte verlegen?Draco versuchte, zu ignorieren, was gerade geschehen war. In einem Moment hatte sein verdammter Wolf noch geschlafen und dann hatte er Granger angefallen, als wäre sie ein fünf Sterne Festmahl! Wie verflucht sollte er das demnächst übergehen?Das Tier in ihm feierte regelrecht seinen Erfolg, weil nun sein eigener Geruch an Hermine haftete und sie so, als Seins markierte. Pathetisch.Gerade als Draco sich erneut entschuldigen wollte, kamen zwei weitere Menschen in den Raum. Er musste den Drang unterdrücken, Hermine hinter sich zu ziehen. Sicher musste er sie nicht vor ihren verfluchten Kolleginnen schützen!»Alles ist in Ordnung«, bestätigte Hermine sofort den Neuankömmlingen und diese verschwanden kurz danach.Granger drehte sich zu ihm und plötzlich schien sie wieder die kalkulierende Ministeriumsmitarbeiterin zu sein. Sie strich sich ihre langen Haare zurück und ignorierte den Sabber, der sich an ihrem Hals befinden musste. Ihre Wangen hatten erneut ihre natürliche Farbe angenommen. Draco fand die gerötete Variante wesentlich hübscher.»Du hast dich gerade außerhalb des Vollmondes verwandelt. Kannst du mir das erklären, Malfoy?«, fragte sie ernst. Ihre Augenbrauen waren gerunzelt und sie schaute auf ein Blatt Papier, welches sie bei sich trug. Genau wie seinen Zauberstab, den Draco nun zusammen mit seinem Schal erblickte.Könnte er nicht einfach seinen Stab bekommen? Dann würde er nach Hause verschwinden und sich die nächsten Tage erst einmal nicht wieder unter Menschen trauen. Bis er diese Demütigung verdrängt hätte.»Nein«, log er deswegen gekonnt. Granger musterte ihn genau.Erst nach einigen Sekunden der Stille fügte er hinzu: »Dieses Monster in mir hat sich wohl gefreut dich zu sehen? Ich stand noch etwas in Trance, als du hereingekommen bist.«Hermine schnaubte und schaute wieder auf ihr Dokument.»Das muss weiter beobachtet werden Malfoy. So etwas ist mir noch nie untergekommen. Kombiniert mit deinem Aussehen, welches so anderes ist als das normaler Werwölfe, lässt mich das vermuten, dass du eine neue Mutante der Werwolfkrankheit sein könntest.«Draco blinzelte sie an. Könnte er nicht endlich nach Hause? Seine Beine fühlten sich so an, als würden sie jeden Moment nachgeben. Er konnte nicht sagen, wann er sich das letzte Mal so elendig gefühlt hatte. Und jetzt vor Granger, wollte er keine Schwäche zeigen!»Können wir das irgendwann anders besprechen? Die Nacht war belastender als ich erwartet hatte.«»Es gibt kein Protokoll für so einen Fall, aber Malfoy, ich kann dich nicht einfach wieder nach Hause gehen lassen. Du könntest eine Bedrohung darstellen«, sagte Granger langsam und trat einen Schritt von ihm zurück in Richtung Tür.Draco kniff seine Augenbrauen zusammen und starrte sie an.»Was willst du damit sagen?«, fragte er scharf und ging hinterher.»Entschuldigung«, meinte Granger nun ihrerseits. Bevor Draco darauf reagieren konnte, trat sie durch die Tür und schloss sie ihm direkt vor der Nase, als er hinterherrennen wollte.»Hey! Das kannst du nicht machen!«, schrie Draco und klopfte mit seinen Fäusten gegen das Metall.Falls sie darauf antwortete, hörte er es nicht. Und er hörte jeden verdammten Mucks in diesem Raum. Vermutlich ein Stillezauber.Seufzend ließ Draco sich an der Tür nach unten gleiten.Damit war sein Plan, dies alles vor seinen Eltern geheim zu halten wohl gescheitert. Wer weiß, wie lange sie ihn hier festhalten würde.»Kann ich wenigstens etwas zu trinken bekommen?«, fragte er in den Raum. Wenig später erschien eine Plastikflasche. Draco hatte noch nie aus einer Plastikflasche getrunken! Er schnaubte, überwand sich dann aber und nahm gierig tiefe Schlucke des kühlen Nasses. Jetzt wusste er wohl, dass der Stillezauber nur in eine Richtung funktionierte.

----- CHAPTER BREAK -----

Kapitel 8Hermine starrte mit hochroten Wagen durch die verzauberte Mauer.Malfoy wusste nicht, dass er beobachtet wurde, aber trotzdem schien er eine regelrechte Show abzuliefern. Und das ausgerechnet vor ihrer Wand, durch die sie ihn beobachten konnte!Mehrmals zwang sie sich wegzuschauen, aber nie blieb ihr Blick länger als ein paar Sekunden von ihm getrennt. Er hatte eine Art an sich, die sie in den Bann zog. Wie er zwischendurch immer wieder zu seiner Bank ging und die Kleidung erst ordentlich faltete und dann doch wieder aufstand. Hermine konnte regelrecht die chaotische Engie spüren, die von ihm ausging.Daraufhin grinste Malfoy so lasziv, dass Hermine überrascht nach Luft schnappte. Wusste er doch, dass sie hinter dieser Wand stand? Nur noch in seiner schwarzen, eng anliegenden Boxershorts bekleidet grinste er sie kokett an und dann setzte die Verwandlung zum Wolf ein.Malfoy wandelte sich innerhalb ein paar Sekunden. So schnell hatte Hermine es noch nie gesehen! Im Anschluss daran schüttelte der Wolf sich und hechelte in ihre Richtung. Wenn das Tier lächeln könnte, dann würde es dies sicher tun.Malfoy sah selbst in seiner Werwolfform verdammt gut aus.Blinzelnd löste Hermine ihren Blick von dem Wolf und notierte die Zeit, zu der er sich verwandelt hatte. Eine Minute nach Aufgang des Vollmondes. Eine Standardzeit für Werwolfsverwandlungen. Nickend schaute sie wieder hoch.Der große weiße Wolf hatte sich vor ihrer Wand hingelegt. Den Kopf zu ihr hinschauend auf seinen Pfoten abgelegt. Sie konnte seine Nasenflügel beben sehen, bei jedem Atemzug. Es dauerte nicht lange, da schloss das Tier seine Augen.Stirnrunzelnd starrte Hermine ihn an. Dieses Verhalten war wiederum gar nicht normal! Selbst nach Einnahme des Wolfsbanntrankes liefen die frisch verwandelten Werwölfe in den ersten Minuten in der Regel Amok. Sie tigerten die ganze Zeit durch den Raum und markierten gelegentlich einige Stellen.Aber Malfoys Wolfsgestalt hielt sofort ein ... Nickerchen? Mitten in der Zelle und nicht in einer der Ecken, wo sich die Tiere allein sicherer fühlten.Immer noch verblüfft notierte Hermine ihre Beobachtungen. Dann aktivierte sie den Zauber, welche sie informieren würde, wenn Malfoy sich bewegte.In den nächsten Stunden musste sie nur einige Male zu ihm und sah, wie er sich im Schlaf streckte und sich neu hinlegte. Einmal putze er sich durchs Fell und schaute mit seinen tiefen schwarzen Augen durch die Mauer zu ihr. Wenn sie sich in ihrem Raum bewegte, regte sich sein Kopf in ihre Richtung.Mit Aufgang der Sonne würde der Vollmond seine Wirkung auf die Werwölfe verlieren. Hermine stand zu diesem Zeitpunkt erneut in ihrem Beobachtungsraum und schaute zu Malfoy. Sein Wolf hatte sich aufgesetzt und blinzelte langsam in ihre Richtung. Es schien, als merkte er, dass sie erst vor Kurzem wieder in den Raum getreten war. Der Werwolf legte seinen Kopf in den Nacken und stieß ein Heulen aus. Ein Gefühl der Sehnsucht durchflutete sie.Dann sah Hermine die ersten Anzeichen der Rückverwandlung. Das weiße Fell verschwand, das Tier krümmte sich und dann war von der einen auf der anderen Sekunde Malfoy da. Er lag nackt auf dem Boden und schien noch nicht wieder voll bei Bewusstsein zu sein.Hermine straffte ihre Schultern und verließ den Beobachtungsraum, um zu Malfoy zu gehen. An der Zellentür atmete sie nochmals tief ein und aus, dann öffnete sie diese.»Guten Morgen, Malfoy. Wie geht es dir?«, fragte sie, nachdem sie eingetreten war.Der Blonde drehte sich ruckartig zu ihr um. Er hatte bereits wieder einen Großteil seiner Kleidung angezogen, wofür Hermine ihm insgeheim dankbar war.Sie wollte, gerade zu ihrer nächsten Protokollfragen ansetzten, als sie etwas Komisches bemerkte. Die Nähte seines Hemdes weiteten sich. Und dann, von einer auf der anderen Sekunde, zerfetzte der Stoff und der Wolf war wieder da!Das Tier preschte nach. Bevor Hermine reagieren konnte, wurde sie unter weichem, weißem Fell begraben.Hermine quietschte auf, als der Wolf über ihren Nacken leckte. Was zum?Es dauerte nur ein paar Sekunden, in denen Hermine fieberhaft überlegte, wie sie am besten reagieren sollte – so was war ihr noch nie passiert! – bis Malfoy sich plötzlich wieder zurückverwandelte.Sie hielt die Luft an, als sie spürte, wie Malfoys Atem ihren nackten Hals traf. Ein Schauer durchlief sie, den sie in dieser Form schon lange nicht mehr gespürt hatte.Dann strauchelte Malfoy zurück und entschuldigte sich bei ihr.Hermine konnte nichts dagegen machen, dass ihr Blick zu seiner Körpermitte glitt. Bei Merlin, was war denn heute nur los mit ihr? Mit hochroten Wagen sprach sie einen Reparo, damit er sich endlich wieder bekleiden konnte!Bei dem restlichen Gespräch stand Hermine neben sich. Die Sonne war bereits aufgegangen, Malfoy hätte sich nicht erneut verwandeln dürfen!Somit konnte sie den Werwolf nicht nach Hause gehen lassen. Er könnte sich jederzeit seine Wolfsform annehmen! Damit stellte er eine Bedrohung für die Außenwelt dar!Hermine wich immer weiter zur Tür und versuche Malfoy abzulenken. Im letzten Moment schaffte sie es, hinauszugehen und die Metalltür vor ihm zu zuschlagen.Sie hörte ihn motzen und meckern, aber sie regte sich nicht.Wie versteinert starrte sie auf den Boden vor sich und ließ das Gespräch in ihrem Kopf erneut Revue passieren. Dabei bemerkte sie, dass Malfoy sie das erste Mal bei ihrem Vornamen genannt hatte!Hermine riss sich erst aus ihrer Starre, als sie Malfoy hörte, der nach etwas zu trinken fragte. Mechanisch zog sie ihren Zauberstab und schickte eine Plastikflasche in seine Zelle. Mit dem Material könnte er weder sich, noch andere verletzen.Sie biss sich auf ihre Unterlippe und versuchte ein schlechtes Gewissen zu unterdrücken. Malfoy könnte eine Gefahr darstellen! Auch wenn der Wolf ihr gegenüber bisher immer nett gewesen war, könnte sich das schnell ändern.Erst als sie ihre Haare versuchte etwas zu richten, bemerkte sie, dass jede Menge Wolfsspeichel an ihrem Nacken klebte. Sie stieß einen angeekelten Laut aus und benutzte abermals ihren Zauberstab, um den Sabber mit einem Zauber zu entfernen.Dann schnappte sie sich ihr Protokoll und machte sie auf ins Ministerium.Diese Sache würde sie nicht allein entscheiden können.

----- CHAPTER BREAK -----

Kapitel 9Noch immer konnte Hermine den geschockt Gesichtsausdruck von Malfoy vor ihrem inneren Auge sehen. Wie er abgeschlagen nach etwas zu Trinken gefragt hatte.Nach einem Gespräch mit ihrem Vorgesetzten Herrn Jones, der Leiter der Abteilung Führung und Aufsicht magischer Geschöpfe, hatten sie gemeinsam entschieden, dass jemand anderes mit Malfoy reden sollte. Sie waren sich auf jeden Fall einig, dass sie bei ihm auf Nummer sicher gehen sollten.Einige Stunden später saß Hermine an ihrem Schreibtisch und versuchte sich auf die Akte zu konzentrieren, welche vor ihr lag. Aber Malfoy ging ihr nicht aus dem Kopf!Sie erwischte sich dabei, wie sie in eine Ecke des Pergaments kritzelte, als sie über den Werwolf nachdachte. Als sie die ersten Anzeichen für ein Herz entdeckte, strich sie alles energisch wieder durch. Mit hochrotem Kopf zerknüllte sie schließlich den Bogen und warf ihn in den Mülleimer. Es war zum Glück nur ein Dokument zu ihrer Kenntnisnahme gewesen ...»Hermine, wir müssen noch einmal sprechen«, sagte Herr Jones, nachdem er an ihre Tür geklopft hatte und Hermine ihn hereingebeten hatte. Herr Jones war ein Mann Mitte fünfzig, der nichts anders kannte als die Arbeit. Seine Haare hatten sich schon komplett grau verfärbt und er trug seit einigen Jahren eine Lesebrille tief sitzend auf seiner Nase.Hermine nickte und deutete ihrem Vorgesetzten an, sich ihr Gegenüber zu setzten.»Draco Malfoy reagiert bisher ganz anders, als deine Unterlagen es sagen«, fing Herr Jones an und Hermine runzelte ihre Stirn.»Er ist aggressiv gegenüber den Angestellten. Du meintest, er hat sich außerhalb des Vollmondeinflusses verwandelt und jetzt zeigt er in seiner menschlichen Form Wolfsinstinkte«, fuhr Herr Jones fort.»Bei mir hat er nicht einen Hauch von Aggression gezeigt«, sagte sie langsam. Malfoy hatte eher wie ein Hund gewirkt, der sich freute, seinen Besitzer wiederzusehen, nicht wie ein gefährlicher Wolf.»Hm, bisher waren deine Einschätzungen immer richtig, aber vielleicht übersehen wir hier etwas? Du bist mit ihm zur Schule gegangen?«»Ja, wir waren in einem Jahrgang.«»Okay, vielleicht verbindet er deinen Geruch dann mit jemandem den er kennt, dem er vertraut. Du solltest wieder seine Hauptbezugsperson werden«, sagte Herr Jones und schaute stirnrunzelnd auf die Akte in seinem Schoss. Hermine stimmte ihm zu. Ihr hatte der Gedanke eh nicht gefallen, dass eine andere Person sich um Malfoy kümmern sollte. Deswegen nickte sie, als er fragend zu ihr aufschaute.»Gut, dann lass uns noch eben zur Werwolfseinrichtung. Ich möchte mich vergewissern, dass er bei dir wirklich so handzahm ist.«So kam es, dass Herr Jones in der Beobachtungszelle stand, während Hermine die Tür zu Malfoys Raum öffnete. Sie konnte gerade vollständig eintreten, da kam er schon zu ihr. Als Mensch, mit einem dunklen Gesichtsausdruck. Die Augenbrauen tief zusammengezogen uns seine grauen Augen wirkten düsterer als sonst.»Ihr könnt mich hier nicht länger gefangen halten! Ich habe auch Rechte! Nur weil mich so ein beschissener Wolf gebissen hat, könnt ihr mich nicht einsperren!«, fing Malfoy an zu zetern.»Beruhig dich, Malfoy«, sagte Hermine eindringlich und hob ihre Hände, um ihm zu signalisieren, dass sie keine Bedrohung war. Malfoys Nasenflügel bebten, als er zu ihr aufschaute. Von einem auf den anderen Moment war er stocksteif.»Ich verstehe, dass du verärgert bist. Aber wir müssen sicherstellen, dass du keine Gefahr für dich oder andere bist. Du möchtest doch auch nicht, dass du deine Eltern verletzt, oder?«Malfoy unterbrach den Blickkontakt und nickte langsam.»Okay«, sagte er dann noch. Mit hängenden Schultern lief er zu der Bank am anderen Ende der Zelle und ließ sich darauf nieder.»Ich verspreche dir, dass wir dir so schnell wie möglich helfen werden«, ergänzte Hermine noch, aber Malfoy schaute sie nicht mehr an. Seine Wangen waren leicht gerötet, als er seine Fingernägel betrachtete. Sie biss sich auf ihre Unterlippe, als sie seine ganze Haltung aufnahm.Als sie die Zelle wieder verließ, um zu Herrn Jones zu gehen, sagte er nichts mehr.»Unglaublich. Lisa und Jacob hat er gar nicht zu Wort kommen lassen. Sie haben die gleichen Argumente wie du gebracht, aber er ist gar nicht darauf eingegangen.«Hermine nickte und schaute stirnrunzelnd zu Malfoy, welcher immer noch nach vorne gebeugt auf der Bank saß.»Er wirkt für mich eher wie ein getretener Hund, nicht wie ein gefährlicher Wolf«, meinte sie.»Hm ... ich denke, du solltest ihn weiter beobachten. Mindestens bis zum nächsten Vollmond. Ob er sich nochmals außerhalb des Vollmondes verwandelt und ob er auf andere Menschen aggressiv reagiert. Wenn unsere Theorie stimmt, dürfte er zum Beispiel bei seinen Eltern auch nicht reagieren. Das solltest du überprüfen.«»Okay. Aber dazu muss ich mit ihm die Einrichtung verlassen?«»Stimmt. Dafür werde ich den Bindungszauber auf euch beide sprechen. Wahrscheinlich sollten drei Meter reichen?«Hermine nickte stirnrunzelnd. Daran hatte sie gar nicht gedacht. Den Bindungszauber hatte sie selbst noch nie benutzt.Diesmal betrat Hermine die Zelle hinter ihrem Vorgesetzten. Sie konnte sehen, wie Malfoy Herrn Jones einen giftigen Blick zuwarf. Sobald sie allerdings den Raum betrat, schaute er zu ihr. Ein zärtlicher Ausdruck huschte über sein Gesicht. Huh.Hermine beobachtete ihn weiter, als Herr Jones Malfoy das weitere Vorgehen erklärte. Nachdem sie die Zellentür hinter ihnen geschlossen hatte, stand Malfoy auf. Er leckte sich über seine Lippen, als er erneut zu Hermine schaute, fixierte dann aber wieder Herrn Jones.»Sie werden sich nicht weiter als drei Meter von Frau Granger entfernen können, wenn sie diese Einrichtung verlassen. Es soll dazu dienen, ihr Gewalt-Potenzial zu ermitteln. Geben sie mir bitte ihre Hand.«Hermine trat neben Herrn Jones und streckte ihre Hand aus. Malfoy schaute auf ihr ausgestrecktes Körperteil und hob seine eigene Hand langsam. Herr Jones ergriff sie auf halber Höhe und legte sie auf Hermines.Sie spürte die Wärme, die von Malfoy ausging. Werwölfe hatten von Natur aus eine hohe Körpertemperatur, aber von Malfoy gingen regelrechte warme Schauer auf sie über. Ihr ganzer Körper schien zu kribbeln, als Malfoy mit seinem Daumen über ihre Handinnenfläche strich. Ein zufriedenes Grinsen auf seinem Gesicht.Hermine schluckte und schaute auf den Boden. Dann hörte sie, wie Herr Jones endlich mit dem Zauber begann. Weiß leuchtende Fäden sprangen aus seinem Zauberstab und wickelten sich um ihre verschränkten Hände. Bei Malfoy wickelten sie sich hoch bis zur Schulter, damit sie mehr Kontrolle über ihn haben würde.»Okay, erledigt. Herr Malfoy, denken sie daran, nur ich kann diesen Zauber lösen. Sie brauchen Frau Granger nicht bedrängen diesen Zauber aufzuheben. Falls sie sich ihr gegenüber unsittlich verhalten, werden sie nach Askaban gebracht und dort weiter begutachtet.«Hermine nickte zu Herrn Jones Erklärungen. Als sie wieder hochschaute, lag Malfoys Blick auf ihr. Die leuchtenden Fäden zogen sich zurück und Hermine löste ihre Hand aus seinem Griff. Sie kribbelte immer noch.Herr Jones drehte sich ihr zu und legte ihr eine Hand auf die Schulter.»Denk an das Protokoll, bei Problemen kannst du dich jeder Zeit an mich wenden.«Hermine nickte und dann verließ ihr Vorgesetzter den Raum.Die Tür fiel mit einem Krachen ins Schloss und ein paar Sekunden herrschte Stille.Hermine schaute wieder zu Malfoy, welcher sich nicht vom Fleck bewegt hatte.»Wie genau soll das jetzt ablaufen? Ihr könnt mich doch nicht wie einen Hund an die Leine legen«, sagte er kleinlaut und schaute auf seine Hand, welche Hermine eben noch gehalten hatte. Seine Schultern hatten sich nach oben gezogen und er drehte sich leicht von ihr weg.»Glaub mir Malfoy, ich würde dich auch lieber einfach nach Hause gehen lassen. Aber es gibt Vorschriften, welche wichtig sind.«»Ich bin immer noch ein Mensch. Ich habe Rechte! Ich habe nichts verbrochen, aber plötzlich werde ich hier eingesperrt und mir wird mit Askaban gedroht!«Malfoy hatte ihr komplett den Rücken zugedreht. Seine Schultern bebten, während er sprach, als rang er mit sich selbst.»Wenn du ehrlich mit mir bist, wirst du im Nu wieder in dein altes Leben zurückkehren«, sagte Hermine leise. Sie selbst hasste diese Ungerechtigkeit! Aber Malfoy war nun mal kein normaler Mensch mehr. Er hatte nun eine animalische Seite, welche gefährlich sein könnte.Mit großen Augen drehte Malfoy sich wieder zu ihr um. Sie glitzerten ungewöhnlich.»Kann ich wenigstens zu meinen Eltern? Meine Mutter macht sich bestimmt schon Sorgen«, sagte er mit schwacher Stimme und Hermines Herz setzte kurz aus. Ein unbekannter Schmerz breitete sich in ihrer Brust aus. Gerade wirkte er wieder wie ein geschlagener Hund.»Natürlich«, wisperte sie und musste den Drang, ihn zu umarmen, unterdrücken.In den nächsten Wochen hätte sie einiges an Zeit, um ihm zu helfen, ihn aufzumuntern. Sie musste es nur schaffen, ihre eigenen Gefühle zu unterdrücken, denn so hatte sie noch auf keinen zuvor reagiert. Ihre Hand kribbelte noch immer.

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