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Django hatte in seinem Leben schon viele anmaßende, brutale und lächerliche Männer getroffen, aber keiner von ihnen war so lächerlich, wie der Mann, dem er seine Freiheit verdankte.Denn dieser war ein lächerlich höflicher Mann mit deutschem Akzent, einem Pferd mit Manieren und einem grauen Anzug, der immer wie frisch aus dem Schrank genommen aussah, selbst wenn sein Träger wochenlang durch die Wüste ritt und in Bächen baden musste. Dieser lächerliche Deutsche machte sich einen Spaß daraus vor hinterwäldlerischen, schießfreudigen Männern mit hohen Worten zu prahlen und blieb von jeder Zurschaustellung von Waffengewalt unbeeindruckt. Nicht einmal ein Gewehr auf die Nase gerichtet zu bekommen, schien ihn aus der Fassung zu bringen. Wahrscheinlich, weil ihm das so oft passierte, dass die Ernsthaftigkeit dieser Geste mittlerweile einfach an ihm vorbeiging.Dieser Mann hieß King Schultz und in den ersten vierundzwanzig Stunden, die Django seine Bekanntschaft machte, gab er ihm Gewand, spendierte ihm ein Bier und schloss mit ihm eine Abmachung, als seien sie nichts weiter als Geschäftsleute.Zuerst wusste Django nicht so recht, was er von dem Zahnarzt halten sollte - Dr. King Schultz, fahrender deutscher Zahnarzt auf der Suche nach Sklaventreibern in der texanischen Wüste - aber er hatte offensichtlich etwas drauf. Hatte er schließlich ohne große Mühen die Speck Brüder ausgeschaltet. Und das mit nichts weiter, als seinen Worten, einer Pistole und seiner bescheidenen aber arroganten Zuversicht, sich aus jeder Situation herauswinden zu können. Aber als er Django auf einem Pferd vor ganz Daughtrey zur Schau stellte, ihn in einen Saloon mitnahm, in dem Schwarze verboten waren, und den Besitzer nach dem Sheriff schreiend aus der Tür rausjagte, war sich Django sicher, dass der Zahnarzt verrückt sein musste. Besonders, nachdem er besagten Sheriff wortlos in der Straße erschoss, sich geruhsam an seinen Tisch zurücksetzte, sein Bier austrank und mit der Infanterie vor der Tür umsprang, als wäre er unverwundbar. Aber jedes Mal, wenn sich Django bei dem Gedanken erwischte, dass Dr. King Schultz ein überheblicher Narr war, der ein frühes Grab finden würde, bewies der ihm das Gegenteil. Ein Verrückter konnte sich schließlich niemals so vieler Erfolge rühmen, wie er.Einen ganzen Winter lang zeigte er Django, was für ein Kopfgeldjäger er war und was für ein Kopfgeldjäger Django sein könnte. Er brachte ihm bei sein Schießtalent zu perfektionieren, wie er in verschiedene Charaktere schlüpfte und zwischen Telegrammen mit Richtern, dem Sammeln von Informationen über ihr nächstes Ziel, stundenlangen Ritten und dem täglichen Aufbauen und Abbauen des Nachtlagers, fand er immer noch Zeit dafür Django das Lesen und Schreiben beizubringen.Vor all dem war aber das Erste, was er ihm beibrachte, die Legende von Djangos Frau.In einer kalten Wüstennacht saßen sie mit warmem Dosenessen in den Händen um ein Feuer herum, einzig in der Gesellschaft von ihren Schatten an den Felswänden und ihren Pferden, und der Doktor erzählte Django mit andächtiger Stimme von Prinzessinnen und Drachen. Mit seinem Finger zeichnete er Kreise in die Luft und seine Worte zeichneten Kreise aus Höllenfeuer in Djangos Kopf und als er davon sprach wie der Held Siegfried die Prinzessin Brunhilde rettete, konnte Django das Gewicht dessen Rüstung auf seinen eigenen Schultern spüren.King Schultz schenkte ihm Geschichten, Wissen, Kleidung, Essen und einen Teil seines eigenen Gehaltes, aber trotzdem fühlte sich Django in seiner Gegenwart nicht so, wie in der anderer weißer Männer. Er fühlte sich ihm nicht verpflichtet, noch kam es ihm so vor, als verwiesen die Gesten des Doktor ihn auf einen Platz in einer unsichtbaren Hierarchie - auch wenn seine Wortwahl nur allzu oft verdeutlichte, dass sie aus verschiedenen Welten waren. Es dauerte einige Zeit, bis Django verstand, dass sie gleichgestellt waren. Vielleicht nicht in den Augen der Welt, aber wenn sie durch knietiefen Schnee ritten oder schweigsam die schweren Körper toter Männer hinter sich herzogen, dann stets nebeneinander, und das bedeutete etwas.King war ein Freund.Einer, der Djangos Hang zum Dramatischen erkannte - aber der sich seinem eigenen nicht immer bewusst war - der ihm gut zuredete, und der ihn wohlgemeint piesackte, ohne tatsächlich verletzende oder erniedrigende Worte zu benutzen. Und wenn Django die Augen verdrehte, wenn King wieder eine seiner großen Reden schwing, wurde er nie wütend. King machte es Django leicht, seine Freundschaft anzunehmen und manchmal sogar zu vergessen, wie die Welt außerhalb ihrer Zeit gemeinsam aussah. Wenn auch nur für kurze Augenblicke, wenn die Berge auf ihrer Route besonders majestätisch waren oder die Sterne besonders hell, sodass King Inne hielt und Django dazu brachte, die Schönheit der Natur mit ihm zu bewundern. Manchmal zeichneten sich diese befremdlich schönen Momente durch festliche Delikatessen aus, wie über dem Feuer gebratene Äpfel mit Honig, an denen sie sich glücklich die Zungen verbrannten, oder wie Torte in der Hütte eines Kollegen.Ihre gemeinsame Zeit bestand aber nicht nur aus einsamer Zweisamkeit unter Gottes weitem Himmel, denn die beiden hatten einen Job auszuführen. Einen Job, an dem Django sehr schnell Gefallen fand. King hatte ihn einst ein Naturtalent genannt und was sich zuerst auf Djangos glücklichen ersten Mord bezogen hatte, begann sich mit jedem Job aufs Neue zu bewahrheiten. Er war ein mindestens ebenso schneller und präziser Schütze wie King und gemeinsam färbten sie den Winter dieses Jahres rot. Django verspürte eine prickelnde Genugtuung dabei Kugeln in weißer Haut zu vergraben und King verachtete ihn nicht dafür. Gelegentlich sogar, wenn Django dem letzten Gurgeln eines dicken, schimpfenden Kriminellen zuhörte, bevor er ihn mit einem schiefen Lächeln erlöste, glomm so etwas wie leiser Stolz in Kings Augen. Und wenn Django sich dann am folgenden Abend in seine Decken wickelte und sich von dem Duft und dem Knistern des Lagerfeuers in den Schlaf davontragen ließ, fühlte er sich freier, als ein Stück Papier je bewirken konnte.Das Feuer konnte aber nicht jede Kälte abhalten.In manchen Nächten konnte er schwören, dass die Narben auf seinem Rücken über die Kälte klagten, während das grausame Geräusch von Peitschenschnalzen seine Träume heimsuchte, und manchmal holten ihn die Erinnerungen an Ketten um seine Knöchel und Maulkörbe an seinem Kopf in den willkürlichsten und unbeschwertesten Momenten ein. Er erzählte King nichts von den schmerzhaften Geistern in seinen Knochen oder davon, dass obwohl er King mochte, und er ihm nie etwas böses getan hatte, Django manchmal Verbitterung bei dem Anblick seines hellen Gesichtes und seinem tadellosen Anzug empfand. Manche Dinge konnten auch nicht zwischen Freunden laut ausgesprochen werden. Django hatte auch kein Bedürfnis, sie laut auszusprechen, denn sobald er wieder mit seiner Frau vereint war, hoffte er, alle diese schweren Gedanken und Erinnerungen begraben und irgendwann ganz vergessen zu können.Er bereute, dass Brunhilde King nie wirklich hatte kennenlernen können. Der Mann hatte Candyland nicht mit ihnen verlassen, aber obwohl er gesagt hatte, dass er nicht vorhatte in Chickasaw County, Mississippi zu sterben, hatte er im Moment seines Todes eigenartig zufrieden gewirkt. Als hätte er endlich die letzte Seite eines Romans umblättern können, dessen Ende er schon längst gekannt hatte. Trotzdem trauerte Django um King und das riskante Opfer, das er für die Freiheit seiner Freunde gebracht hatte. Ein paar deutsche Wörter in Candyland und der Rücken von Kings Pferd Fritz, war zwar alles was Brunhilde je mit dem Verstorbenen teilen würde, aber jedes Mal, wenn Django Fritz dazu brachte, sie mit einer Verbeugung seines Hauptes zum Lächeln zu bringen, kam es ihm so vor, als wäre es King, dem ihr Lächeln galt. Und obwohl er wusste, dass er Brunhilde nie die Geschichte ihrer Namensgeberin so mitreißend erzählen könnte, wie es King damals getan hatte, hatte Django vor, es zu versuchen.

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