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Language:
Deutsch
Stats:
Published:
2025-02-10
Words:
1998
Chapters:
1/1

Gegensatze ziehen sich

Entire Work

Work Text

Justus tigerte in der Zentrale ruhelos auf und ab. Wie ein Raubtier in einem Käfig ging er hin und her. Sein Haar war durchwühlt und unter seinen Augen waren deutliche Ringe zu sehen. Das ging nun seit drei Tagen und Nächten so und Justus hätte untypischerweise am liebsten etwas zertrümmert. Das musste aufhören! „Justus?“, hörte er seine Freunde besorgt rufen, als sie an diesem Morgen in die Zentrale kamen. „Was ist denn los?“, erkundigte sich Bob sofort. Mit einem leidenden Blick wandte Justus sich ihnen zu. „Ich kann nicht mehr schlafen“, klagte er. „Ich kann nicht mehr essen.“ Er stöhnte, denn er hatte Hunger, aber brachte keinen Bissen hinunter. „Mein ganzes Wesen konzentriert sich nur auf diese eine Sache.“ Er wusste, dass er weinerlich klang, doch es war ihm egal. Zu groß war sein Leid, als dass er jetzt noch hätte darauf achten können, vornehm zu klingen. „Es will einfach nicht verschwinden“, rief er frustriert. „Was denn?“, erkundigte sich Peter sorgenvoll. „Meine erektile Funktionsdauer ist persistent und damit unzumutbar.“ „Ähm…“, kam es stotternd von Bob. „Du hast einen Ständer?“, übersetzte er vorsichtig.Peter schrie beinahe auf: „Was?“ Bob nickte, auch wenn er selbst noch ein wenig ungläubig klang. „Ich glaube, Just hat uns gerade auf die ihm ureigenen Art und Weise mitgeteilt, dass er dauergeil ist.“ Die beiden Freunde blickten mit großen Augen zu ihrem Ersten, der so verzweifelt aussah, dass beide nicht wussten, ob sie lachen oder mitfühlen sollten. Dann fragte Bob, der um eine betont neutralen Ton bemüht war. „Was ist denn bei dir los?“ „Das wüsste ich auch gern“, schmollte Justus. „Sowas ist mir noch nie passiert.“ Peter räusperte sich leicht. „Ist dir das denn überhaupt schon mal passiert?“, fragte der zweite Detektiv und bekam einen dermaßen dunklen Blick ab, dass er augenblicklich verstummte. „Was denn? War ja nur eine Frage.“ Justus stöhnte. „Ich bin ein junger Mann von zwanzig Jahren, natürlich hatte ich schon eine Erektion.“ „Und bisher ging sie immer weg?“, fragte nun Bob vorsichtig, woraufhin auch er Opfer eines dunklen Blicks wurde. „Ja, tat sie. Auskunft genug?“ Bob hob die Hände. „Ist ja schon gut, wir sorgen uns eben um dich.“ Er räusperte sich. „Was ist denn jetzt anders?“ „Sie kommt und bleibt.“ „Hm“, machte Bob, musste aufpassen, dass das Amüsement, das ihn schlagartig überfiel, nicht in seinem Gesicht sichtbar wurde. Justus stöhnte genervt auf. „Ich habe schon alles versucht.“ Seine Stimme nahm wieder einen weinerlichen Ton an. „Ich habe versucht das Mistding wegzuatmen, ich habe Entspannungsübungen gemacht. Ich habe sogar Beckenbodentraining gemacht“, kam es verzweifelt. „Ich habe versucht mich abzulenken, Bücher und Aufsätze gelesen; ich habe Filme geguckt. Ich habe mich von so einem Online-Guru hypnotisieren lassen.“ Peter und Bob tauschten einen vielsagenden Blick. „Ich habe mich dreimal unter eine eiskalte Dusche gestellt. Ich habe mir sogar einen Eisbeutel in den Schritt gepresst.“ Bob und Peter verzogen gleichermaßen schmerzverzerrt das Gesicht. „Und auch Onanieren bis alles wund war, hat nicht geholfen. Das Ding kommt wieder und wieder.“ „Und du offenbar auch“, murmelte Peter, schlug sich dann aber die Hand vor den Mund, als erster und dritter Detektiv ihn schlagartig ansahen. Justus führte weiter aus: „Nichts hilft. Keine Meditation oder Entspannungsübung, auch nicht das bewusste Lenken meiner Gedanken. Nichts klappt! Alles führt mich immer wieder zurück zu diesem einen Gedanken. Er lässt sich einfach nicht vertreiben.“ „Und woran denkst du die ganze Zeit?“, fragte Bob vorsichtig, wusste selber nicht, ob er die Antwort hören wollte. „An Brock“, entwich es Justus gequält. „Brock?“, wiederholte Peter ungläubig. „Euer Gehilfe Brock?“, konkretisierte er. „Neben dem sogar ich wie Einstein aussehe?“ „Stell dein Licht mal nicht unter den Scheffel“, meinte Bob nur, doch Peter ignorierte ihn. Justus seufzte leidend auf. „Ja, genau den. Ich verstehe es ja selber nicht“, rief Justus frustriert. „Der Typ ist was seine Intelligenz angeht, nicht mal Durchschnitt. Es ist nicht meine Art andere Menschen zu beleidigen, aber Brock ist gelinde gesagt, lichtschwach im Oberstübchen. Man könnte auch sagen, er ist auf der steten Suche nach den GPS-Daten für seine Verstand.“ Bob lachte. „Und du hast wirklich keine Idee, warum du ihn trotzdem willst?“ „Nein“, rief Justus leidend. „Er sieht heiß aus“, stellte Bob klar, denn selbst ihm war der große, durchtrainierte Gehilfe mit dem dunkelblonden Haar und den schönen braunen Augen aufgefallen. „Ja und?“, rief Justus. „Das hat mich noch nie interessiert.“ „Das sieht dein Körper offenbar anders“, stellte Peter mit dem Anflug eines Grinsens fest. Justus gab nur einen gequälte Laut von sich, bevor er sein Gesicht in seinen Händen verbarg. „Und jetzt?“, fragte er weinerlich. „Geh hin und schnapp ihn dir!“, rief Peter voller Tatendrang; für ihn lag die Antwort auf der Hand. „Was?“, entwich es Justus schockiert. Bob nickte. „Na klar, du wirst ja sonst noch verrückt.“ „Aber ich handle nicht nach niederen Trieben“, stellte Justus eine Spur überheblich fest. Peter hob eine Augenbraue und äußerte: „Da hat dein Kopf kein Mitspracherecht.“ „Ist das furchtbar“, klagte Justus. Peter und Bob tauschten einen amüsierten Blick. „Nimm dir, wonach es dir verlangt“, riet Bob. „Danach geht es dir besser.“ Justus sah alles andere als überzeugt aus. „Du hast doch schon alles andere probiert, oder?“, fragte Peter dazwischen. Justus raufte sich die Haare. „Ja, hab ich.“ Er war mit seinem Latein am Ende. „Verdammte Biologie.“ Beinahe hätte er sich vor Wut ein ganzes Haarbüschel ausgerissen. „Und wie mache ich das jetzt?“ Er seufzte. „Ich kann ja schlecht hingehen und ihn fragen.“ „Wieso nicht?“, meinte Peter. „Du vergisst, dass unser Brock nicht der Hellste ist. Wenn du mit dem nicht Klartext redest, wird der es nie raffen.“ „Sehe ich auch so“, pflichtete Bob ihm bei. „Dann bleibt mir wohl nichts anderes übrig.“ Justus sah immer noch nicht überzeugt aus, aber immerhin schien er sich mit dem Gedanken angefreundet zu haben, denn er verließ die Zentrale. Als ihr Erster außer Hörweite war, meinte Peter kichernd: „Das würde ich zu gerne hören.“ Bob grinste. „Lass uns das Periskop nutzen und Justus erst kürzlich installierte Abhöranlage des Schrottplatzes.“ Peters Augen begannen zu leuchten. „Du kümmerst dich um die Anlage, ich bringe das Periskop in Stellung.“ Flink sprangen sie auf und machten sie ans Werk. Peter blickte durch das Periskop, Bob drängte sich dazu. „Lass mich auch mal.“ „Ja, doch.“ Nach ein wenig Gerangel hatten sie eine Position entdeckt, die beiden halbwegs bequem war und es ihnen ermöglichte etwas zu sehen. Sie entdeckten Justus, wie er gerade im Innenhof zu Brock trat. „Brock!“, grüßte er ihn und klang dabei gewohnt selbstbewusst; nur Peter und Bob konnten heraushören, dass er eigentlich nervös war. Der blonde Gehilfe blickte Justus mit einem Lächeln entgegen, als er sich erkundigte: „Hey, Justus, schön dich zu sehen. Habt ihr einen neuen spannenden Fall.“ „Könnte man so sagen“, gab dieser leicht zähneknirschend von sich. Doch Brock bemerkte es nicht und fragte: „Ach echt?“ „Ja, und dabei könntest du uns helfen.“ Man konnte hören, dass Justus sich zwang diese Worte zu sagen. Doch auch jetzt bemerkte Brock nichts Ungewöhnliches und fragte unbedarft: „Ich? Echt jetzt?“ „Ja“, sagte Justus kurz angebunden. Fröhlich kam ein: „Cool. Und was soll ich machen?“ „Nun ja, hast du schon mal…“ Justus räusperte sich. „…etwas mit einem Mann gehabt?“ Brock sah ihn ahnungslos an und fragte unschuldig: „Was soll ich mit einem Mann gehabt haben?“ Justus seufzte. Dann konkretisierte er: „Ich meine, ob du schon mal mit einem Mann geknutscht hast?“ „Ach so, das. Na klar. Ich probiere eben Dinge gerne aus“, sprach Brock locker und zuckte die Schultern. Justus fuhr sich nachdenklich übers Kinn. „Hm, da geht es mir ähnlich.“ Brock strahlte ihn an. „Das ist ja schön. Da haben wir ja was gemeinsam.“ „Ja, sehe ich auch so.“ Peter und Bob konnte die beißende, augenrollende Ironie hören, mit der Justus dieses Satz gesprochen hatte. Brock blieb sie anscheinend verborgen. „Und wie kann ich dir jetzt bei deinem Fall helfen?“ Justus räusperte sich. „Nun ja, ich müsste für einen Fall wissen, wie es ist mit einem Mann zu knutschen und sich körperlich nah zu sein.“ Justus räusperte sich erneut. „Könntest du dir das unter den gegeneben Umständen eventuell mit mir vorstellen?“ „Das willst du mit mir tun?“, kam es überrascht. „Sagte ich doch gerade, ähm“, korrigierte sich Justus: „Wenn du möchtest.“ „Na klar, Justus. Du bist so ein toller Kerl, da hätte ich ja nie gedacht, dass ich eine Chance hätte.“ „Das freut mich“, kam es langsam, ungläubig. „Tun wir es dann direkt hier?“, fragte Brock in seiner unkomplizierten Art. „Mir wäre lieber, wenn wir das an einem Ort tun könnten, wo nicht direkt meine Tante zuschauen kann.“ „Aber klar, Justus. Wir können ja einfach bei den Bildern da rummachen“, meinte er und zeigte auf eine überdachte Stelle wenige Meter entfernt, wo große Ölschinken noch darauf warteten, im Lager verstaut zu werden. Justus blickte Brock zweifelnd an. Dann stellte er klar: „Da sieht mich meine Tante aber immer noch.“ „Ach so.“ Justus seufzte erneut. Es sprach Bände, wie erregt er sein musste, das Brocks Naivität ihn noch nicht abgeturnt hatte. „Komm mit“, meinte Justus nur und Brock folgte ihm. „Hast du einen guten Ort, wo wir rummachen können?“ „Ja“, sagte Justus und führte ihn in seine Freiluftwerkstatt, die durch die vielen Metallwände um sie herum von den Blicken anderer abgeschirmt war. Zumal Tante Mathilda und Onkel Titus diese auch nie betraten. Peter und Bob richteten das Periskop neu aus. Da es so hoch war, konnten sie über die Bretter vorbei die beiden beobachten. Justus stand vor seiner Werkbank, war aufgeregt und unschlüssig zugleich. Er befand sich ungern in einer Situation, die er so wenig einschätzen konnte wie diese. Doch Brock machte es ihm da einfach. Mit seinem schlichten Gemüt dachte er nicht lange nach, sondern handelte. Brock beugte sich zu Justus und küsste ihn, einfach so und ganz unkompliziert. Justus’ Körper schien eine Art Schlag getroffen zu haben, denn es war beinahe als wolle er in sich zusammen sinken. Peter und Bob tauschten einen Blick. „Das scheint gut zu sein“, meinte der zweite Detektiv mit einem Grinsen, als sich Justus’ Arme schlagartig um den starken Körper schlangen. „Ist das gut so?“, fragte Brock, während Justus nur ein Keuchen entkam. Peter schmunzelte und blickte zu Bob. „Es gefällt ihm“, murmelte er und Bob grinste als Bestätigung nur noch breiter. Dann hatten Justus und Brock auch schon wieder ihre Lippen zusammen gepresst und Brocks Hände streichelten über Justus’ Körper, der seinerseits die Arme um den anderen geschlungen hatte. Eindeutig lustvolle Laute entkamen ihrem Ersten, was Bob und Peter zum Grinsen brachte. Wer hätte gedacht, dass es Justus Jonas auch mal so gehen würde wie jedem anderen auch: Opfer seiner niederen Triebe, wie er es selbst genannt hatte. Keuchend und stöhnend lösten sich die beiden voneinander. Mit beinahe benebeltem Gesichtsausdruck blickte Justus den schönen Mann an. „Soll ich dir einen blasen?“, fragte dieser ohne Scheu direkt heraus. Justus atmete stolpernd ein, zu mehr war er nicht mehr in der Lage. „Ich kann das gut.“ „Hm“, war alles, was Justus noch äußern konnte. Brock sank auf die Knie und machte sich mit eindeutigen Absichten an Justus’ Hose zu schaffen. Bob und Peter wandten sich ab, wollten nicht genau sehen, wie Brock sich auf seinen Knien machte. Stattdessen grinsten sie sich an. Einige Momente später waren eindeutige Laute zu vernehmen. Bob sprach: „Lass uns hier aufräumen. Wenn das so weiter geht, ist Justus gleich fertig.“ Peter prustete los, nickte aber. Schnell richteten sie wieder alles so her, wie es vor Justus’ Abgang gewesen war. Im Anschluss nahm Peter sich eine Zeitschrift und ließ sich damit aufs Sofa plumpsen, während Bob am Schreibtisch Platz nahm, um die letzten Details zu ihrem Fall „Die blutenden Bilder“ niederzuschreiben. Sieben Minuten später kündigte ein unverkennbares Poltern an, dass jemand ihre Zentrale betrat. Justus stand wenig später strahlend vor ihnen. „Kollegen! Ich bin geheilt. Mein Gehirn hat wieder seine übliche Betriebsfähigkeit zurückerlangt. Ich bin wieder voll einsatzbereit.“ Peter blätterte scheinbar unbeteiligt in seiner Zeitschrift, als er nur glucksend meinte: „Da wurde dir offenbar ordentlich das Gehirn frei geblasen.“ Bob brach in lautes Gelächter aus, während Justus sie schmollend anblickte. ???

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